Arztgespräch und erste Untersuchungen bei Leber und Gallenleiden

Die Schilderungen des Patienten und eine körperliche Untersuchung geben dem Arzt erste Hinweise auf Krankheiten an Leber, Galle oder Bauch­speicheldrüse. Zu einer sicheren Diagnose kommt er jedoch erst nach einer Fülle ver­schiedener Untersuchungen.

Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse können die unterschiedlichsten Ursachen und Sym­ptome haben. Dennoch bekommt der Arzt oft bereits aus dem Gespräch mit dem Patienten genügend An­haltspunkte, die für eine Erkrankung eines dieser Organe sprechen können. Häufig reicht es schon aus, wenn der Erkrankte seine Beschwerden genau schildert und Hin­weise zur Entstehung der Krankheit gibt.

Wozu Blutuntersuchungen gut sind

Das Blut und seine Zusammensetzung erlaubt Rück­schlüsse auf Veränderungen im Organismus. Blutunter­suchungen stellen daher auch zur Erkennung von Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse ein wichtiges Hilfsmittel dar.

Bei der Leber sind folgende Blutwerte von Interesse:

♦     Transaminasen: Jede Zelle unseres Körpers ist reich an Wirksubstanzen (Enzymen). So enthält die Leberzelle viele Transaminasen, die eine wichtige Rolle im Energiehaushalt des Körpers spielen. Er­kranken die Leberzellen, so gelangen diese „Arbeits­stoffe“ ins Blut und lassen sich dort nachweisen.

♦       Albumin, Cholinesterase und Gerinnungsfakto­ren: Diese drei Eiweißkörper werden von der Leber hergestellt. Albumin ist für die Eiweißernährung der Körperzellen wichtig. Cholinesterase ist für die Mus­kelkontraktion notwendig. Finden sich diese Stoffe in zu geringer Konzentration im Blut, so kann eine Störung der Syntheseleistung der Leber daran schuld sein. Auch ein Großteil der für die Blutgerinnung notwendigen Eiweißkörper wird in der Leber auf­gebaut. Deshalb lässt eine Prüfung der Gerinnungs­fähigkeit des Blutes Rückschlüsse auf die Leberfunk­tion zu.

♦       Bilirubin: Leberzelle und Gallenwege sind für eine normale Ausscheidung dieses ursprünglich aus zer­fallenden Blutkörperchen stammenden Farbstoffs verantwortlich. Ein zu hoher Bilirubinspiegel deutet also darauf hin, dass die Ausscheidungsfunktion der Leber und/oder des Gallenwegssystems gestört ist.

♦       Gammaglobuline: Wenn aufgrund einer chro­nischen Lebererkrankung (Zirrhose) mit Umgehungs­kreisläufen nur noch ein Teil des Pfortaderblutes die Leber durchströmt und von ihr entgiftet wird, tritt als Ersatz ein anderes Kontrollsystem in Aktion: eine vermehrte Bildung von Antikörpern (Gammaglobu­linen) im Blut, die „Eindringlinge“ in unserem Orga­nismus abwehren sollen. Ihr Anstieg ist ebenfalls ein Hinweis auf eine gestörte Leberfunktion.

♦        Gamma-GT (Gamma-Glutamyltransferase) ist ein Enzym, das bei fast allen Schädigungen der Leber­zelle vermehrt produziert wird – vor allem bei einer Ausscheidungsstörung der Leber aufgrund von Gallengangserkrankungen und wenn sich die Leber ver­mehrt mit dem Abbau von Alkohol befassen muss.

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Leber und Galle

Die häufigsten Symptome – und auf welche Erkrankungen sie hindeuten

Ein leichtes Druckgefühl im rechten Oberbauch kann ein Hinweis auf eine Lebererkrankung sein.

Akute, kolikartig auftretende Schmerzen im Oberbauch, die nach rechts, in den Rücken und zum rechten Schulterblatt ausstrahlen, sprechen eher für eine Gallensteinkolik.

Heftige Schmerzen im Oberbauch in Verbindung mit Übelkeit, Erbre­chen, Fieber, oft auch Kreislaufversagen deuten auf eine akute Entzün­dung der Bauchspeicheldrüse hin.

Hautveränderungen wie zum Beispiel „Lebersternchen“ (spinnenartig erweiterte Äderchen in der Haut) finden sich sehr oft bei chronischen Lebererkrankungen.

„Lebersternchen“ treten aber auch in der Schwangerschaft auf und haben dann nichts zu bedeuten.

Fleckig gerötete Handinnenflächen sind ebenfalls ein Hinweis auf eine Lebererkrankung.

Auch verhärtete und geschrumpfte Beugesehnen an den äußeren drei Fingern, die sich dann nicht mehr richtig strecken lassen, sind ein mögli­cher Anhaltspunkt für Lebererkrankungen.

Eine Rötung der Handinnenflächen und verhärtete Beugesehnen an Mit­telfinger, Ringfinger und kleinem Finger können jedoch auch auftreten, ohne dass eine Lebererkrankung vorliegt.

Dunkler Urin und heller Stuhl sind frühe Anzeichen einer Gelbsucht. Gelblich verfärbtes Augenweiß deutet auf eine mögliche Erkrankung der Leber hin.

Die Tastbarkeit der Leber kann auf eine Lebervergrößerung hinweisen. Die Ursache könnte eine Fettleber (etwa durch übermäßigen Alkoholgenuss) sein.

Eine vergrößerte Milz weist auf eine Stauung im Pfortadersystem hin, die auf eine Schrumpfleber (Zirrhose) zurückgehen kann.

Eine durch Beklopfen der Bauchdecke feststellbare Wasseransammlung im Bauch kann ebenfalls auf eine Leberzirrhose hindeuten.

Keine Angst vor Medizintechnik!

Mit Hilfe moderner Unter­suchungstechniken lassen sich die Ursachen von Erkrankungen der Leber, Galle und Bauch­speicheldrüse näher eingrenzen. Die wichtigsten modernen medizintechnischen Unter­suchungsverfahren sind Ultraschalldiagnostik, Röntgen­aufnahme, Computertomographie, Kernspintomographie und Bauchspiegelung.

Ultraschalluntersuchung – nicht belastend und sehr aufschlussreich

Das Prinzip der Ultraschalluntersuchung ist denkbar einfach: Mittels eines kleinen Senders auf der Haut wer­den Schallwellen jenseits des hörbaren Bereichs ins Körperinnere geleitet, deren Echos aufgezeichnet und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch die lang­sam kreisende Bewegung des Senders auf der Hautober­fläche entsteht ein Bild des Körperinneren.

Mit Ultraschallbildern kann die Größe der Leber festgestellt werden. Auch der Anteil an Bindegewebe, mögliche Erweiterungen der Gallengänge innerhalb der Leber und vorhandenes Fremdgewebe lassen sich auf einem Bild erkennen. Außerdem sieht man, ob die Gal­lenwege gestaut sind, ob Gallensteine vorhanden sind und ob die Gallenblasenwand verändert erscheint. Oft genügt dem Arzt bereits die Ultraschalluntersuchung, um sich über eine Erkrankung der Gallenwege Klarheit zu verschaffen.

Auch bei einer Untersuchung der Bauchspeichel­drüse hilft die Methode weiter: Im Ultraschallbild sieht der Arzt, ob die Bauchspeicheldrüse übermäßig viel Bin­degewebe enthält oder ob Zysten vorliegen. Manchmal können auch Anzeichen für krebsartiges Fremdgewebe gefunden werden.

Röntgenuntersuchung – vor allem bei Gallenerkrankungen sinnvoll

Röntgenstrahlen sind elektromagnetische Strahlen, die im Gegensatz zu Lichtstrahlen den Körper durchdrin­gen. In hoher Intensität können sie diesen durchaus schädigen. Zur Untersuchung des menschlichen Kör­pers werden jedoch nur Röntgenstrahlen mit einer sehr geringen Intensität verwendet.

Problematisch und wenig aussagekräftig werden Röntgenuntersuchungen, wenn das zu durchleuchtende Organ die gleiche Durchlässigkeit für Röntgenstrahlen hat wie das umgebende Gewebe. In solchen Fällen müs­sen spezielle Kontrastmittel in den Organismus einge­führt (beispielsweise intravenös gespritzt oder als Ta­blette verabreicht) werden. Röntgenuntersuchungen bieten sich vor allem zur Darstellung von Erkrankungen des Gallenwegssystems an. Größere Steine und krankhafte Veränderungen der Gallenblase (zum Beispiel eine Schrumpfgalle) lassen sich damit gut diagnostizieren.

Die Computertomographie ermöglicht eine detailliertere Darstellung

Die moderne Entwicklung der Röntgentechnik hat die computergestützte Schichtuntersuchung (Computer­tomographie) hervorgebracht, die wichtige Hinweise auf Fremdgewebe in der Leber oder auf Stauungen in den Gallenwegen gibt. Auch bei der Diagnosefindung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wird immer mehr mit der elek­tronisch auswertbaren Röntgenuntersuchung gearbei­tet. Immer weiter verbesserte Aufnahmemöglichkeiten und ausgetüfteltere Computerprogramme ermöglichen es heute, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse sehr detailliert auf dem Bildschirm wiederzuerkennen. Ein weiterer entscheidender Vorteil der Computer­tomographie: Die Strahlenbelastung ist um einiges geringer als bei der Röntgenuntersuchung.

Kernspintomographie – der Weg in die Zukunftstechnik

Die Kernspintomographie ist eine Art Weiterentwick­lung der Computertomographie. Mit ihr können nicht nur horizontale Ebenen eines Gewebes angeschnitten und sichtbar gemacht, sondern auch Längs- beziehungs­weise Schrägschnitte erzeugt werden. Diese moderne Medizintechnik erlaubt bei der Diagnose von Fremdge­webe in der Leber auch eine Herkunftsbestimmung.

Punktion und Biopsie

Nicht immer kann aufgrund der bisher dargestellten Untersuchungsmethoden eine endgültige Diagnose gestellt werden. Manchmal ist eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie) nötig, um Krankheiten genau bestimmen zu können. Vor allem beim Verdacht auf ent­zündliche Veränderungen des Gewebes oder um den Verfettungsgrad der Leber festzustellen, benötigt der Arzt eine Gewebeprobe, aber auch, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob und in welchem Ausmaß Leberzellen abgestorben sind und ein bindegewebiger Umbau im Lebergewebe (Zirrhose) vorliegt. Zwei Mög­lichkeiten stehen ihm dabei zur Verfügung: die Leber­punktion und die Leberspiegelung.

Überhaupt nicht schmerzhaft: die Leberpunktion

Bei der Leberpunktion sticht der Arzt mit einer speziel­len Punktionsnadel von 1,2 Millimeter Durchmesser durch die Haut von außen in die Leber ein. Mit Hilfe einer Spritze wird anschließend ein durch die Nadel ausgestanztes kleines Stück Lebergewebe angesaugt und entnommen.

Für diese Maßnahme wird der Patient örtlich be­täubt. Der Eingriff dauert nur wenige Sekunden und ist harmlos. Die Einstichstelle wird anschließend mit einem Pflaster versorgt. Bereits nach ein bis zwei Stunden kann der Patient wieder nach Hause gehen.

Blick ins Innere mit dem Laparoskop

Als Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie) bezeichnet man Untersuchungen unter Einsatz optischer Geräte, mit denen man innere Organe sehen und Gewebepro­ben unter Sicht entnehmen oder sogar operieren kann. Sie ist immer dann sinnvoll, wenn eine feingewebliche Untersuchung allein nicht genügt, um über eine Erkran­kung Aufschluss zu gewinnen – die Laparoskopie er­laubt den direkten Blick auf ein erkranktes Organ.

Die Furcht vor solchen Untersuchungen ist unbe­gründet. Der Patient wird für die halbstündige Unter­suchung in einen Dämmerschlaf versetzt, der Eingriff selbst findet unter lokaler Betäubung statt. Durch eine feine Nadel wird Lachgas in den Bauchraum eingebla­sen. Auf diese Weise entsteht ein Hohlraum, der genü­gend Platz für ein optisches Gerät schafft. Dieses ähnelt in seiner Konstruktion einem Fernrohr, ist etwa 20 Zen­timeter lang und so dick wie ein Bleistift.

Um das Innere der Bauchhöhle zu erhellen, befin­den sich in diesem Instrument, dem Laparoskop, Bündel von Glasfasern, die Licht von einer außerhalb aufgestell­ten Lichtquelle in den Bauch einleiten. Die Lichtverhält­nisse sind dabei so hervorragend, dass sogar Fotografien möglich sind. Mit dem Laparoskop können sowohl die Leber als auch die Gallenblase, die Milz und Teile des Darms betrachtet werden. Sehr gezielt kann der routinierte Arzt dann mit ganz speziellen Instrumenten krankhaft erscheinendes Lebergewebe oder Gewebe der um­liegenden Organe entnehmen. Durch die guten Sicht­verhältnisse erkennt der Arzt auch, ob Gewebeentnah­men zu Blutungen führen. Diese kann er dann sofort wieder stillen.

Normalerweise wird die Laparoskopie im Kranken­haus vorgenommen. Es gibt aber auch in der Methode geübte Ärzte, die diese Untersuchung im Rahmen ihrer Praxis als niedergelassener Spezialarzt durchführen. Komplikationen – meist durch unvorhersehbare Blutun­gen aus verletzten Gefäßen, die nur ein Chirurg stillen kann – sind äußerst selten.

Bauchhöhlenspiegelung – ja oder nein?

Dank Ultraschall, Computertomographie und Kernspin­tomographie sind die zuletzt beschriebenen, vor allem psychisch für den Patienten etwas belastenderen Unter­suchungsmethoden heute nur noch in Einzelfällen erforderlich. Doch letztlich übertrifft die zuverlässige Aussage von Leberpunktion und Bauchspiegelung die Wertigkeit anderer, nicht eingreifender Untersuchungs­methoden. Daher sind diese Untersuchungen auch ge­eignet, dem Patienten Zweifel und Ungewissheit über die Art seiner Erkrankung zu nehmen. Schon vielen Kranken wurde durch die Gewissheit, in welchem Sta­dium ihr Leberleiden sich befindet, eine positive Einstel­lung zum Leben ermöglicht, die ein nur vage geäußer­ter Verdacht vermutlich nicht erlaubt hätte.