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Bewährte Heilverfahren bei Kopfschmerzen und Migräne

Jahre- bis jahrzehntelange Kopf­schmerzen oder Migräneanfälle, die nur durch starke Schmerzmit­tel behandelt, aber nicht geheilt werden, können einen Menschen so zermürben, dass er schließlich an Selbstmord denkt. Das Leben mit den ständigen Schmerzen er­scheint vielen nicht mehr lobens­wert, und sie verändern sich auch in ihrem Wesen, werden depressiv, chronisch gereizt, ungerecht und überempfindlich. Das hat oft zur Folge, dass sich die Mitmenschen von ihnen zurückziehen und sie immer tiefer in die soziale Isolie­rung stoßen.

Aber so muss das Schicksal eines häufig von Schmerzen geplagten Menschen nicht aussehen. Hilfe ist auch nach langem Leidensweg noch möglich, wenn Patient und Therapeut geduldig Zusammenar­beiten und sich nicht bloß damit begnügen, die Symptome zu un­terdrücken. Das erfordert beim Therapeuten eine Abkehr von der üblichen »Fünf-Minuten-Medizin«, die kein Eingehen auf den Pa­tienten als Ganzheit von Körper, Seele und Geist, sondern nur eine Routinebehandlung zulässt. Es setzt bei den Betroffenen aber auch die Bereitschaft voraus, aktiv bei der Therapie mitzuwirken, sich nicht allein auf die ärztliche Kunst und die Wirkung der Medi­kamente zu verlassen. Das verbrei­tete Anspruchsdenken vieler Pa­tienten, die für ihren Kranken­schein möglichst rasch und be­quem Gesundheit verlangen, steht gerade bei chronischen Schmerz zuständen dem Erfolg der Behand­lung im Weg.

Aktive Mitarbeit bei der Therapie bedeutet nun aber nicht unkriti­sche Selbstbehandlung. Der viel­zitierte mündige, gut informierte Patient wird sich stets seiner Gren­zen bewusst bleiben und kein un­nötiges Risiko durch Selbsthilfe eingehen, sondern lieber einmal unnötig den Therapeuten seines Vertrauens aufsuchen. Die Selbsthilfe Methoden, die wir in diesem Buch vorstellen, sollen nicht zur Eigenbehandlung unklarer und chronischer Schmerzen verleiten. Sie eignen sich nur bei offensicht­lich harmlosen, rasch vorüberge­henden Beschwerden oder zur Er­gänzung der vom Fachmann verordneten Behandlung.

Die herkömmliche Schmerztherapie

Trotz aller neuen Erkenntnisse über die Entstehung und Unterhal­tung von Kopfschmerzen und Mi­gräne, die vor allem die seelischen Faktoren hervorheben, hat sich an der herkömmlichen Schmerztherapie bisher wenig geändert. Sie besteht nach wie vor in der Ver­ordnung von Schmerzmitteln, die zwar verbessert wurden, aber letztlich doch nur die Symptome unterdrücken können. Natürlich darf man die Erleichterung, die solche Medikamente bei akut auf­tretenden Schmerzanfällen brin­gen, nicht gering einschätzen und sie nicht in Bausch und Bogen ver­teufeln. Aber man muss sich stets bewusst bleiben, dass sie nur ein Notbehelf sind und nicht heilen. Teilweise führen sie sogar zu er­heblichen Nebenwirkungen und bei längerem Gebrauch nicht nur zur suchtartigen Abhängigkeit, sondern selbst zu Schmerzen.

Gebräuchliche Schmerzmittel

In allen westlichen Industriestaa­ten werden heute erschreckend viele Schmerzmittel verbraucht. Besonders besorgniserregend er­scheint dabei der Verbrauch der rezeptfreien Medikamente, die ohne Verordnung des Therapeu­ten eingenommen werden.

Daraus kann man mehrere Rück­schlüsse ziehen. Zum einen leiden offenbar immer mehr Menschen derart unter den heutigen Lebens­bedingungen, dass bei ihnen häu­fig wiederkehrende oder chroni­sche Kopfschmerzen auftreten, die aber andererseits nicht ernst genug genommen werden, um fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Außerdem wird damit eine gewisse Resignation gegen­über der Schulmedizin deutlich, etwa nach dem Motto: »Wozu soll ich meinen Arzt aufsuchen? Die Schmerzmittel, die er mir verord­net, kann ich mir auch selbst kau­fen. « Und es zeigt sich darin schließlich auch, dass der heutige Mensch kaum noch bereit ist, auf die Signale seines Körpers zu ach­ten, die ihm Unbehagen bereiten, sondern dazu neigt, auch geringe Unpässlichkeiten sofort medika­mentös zu unterdrücken. Das ist der falsche Weg. Schlimmstenfalls endet er mit Arzneimittelsucht, unheilbaren Leber- und Nieren­schäden.

Das Angebot an Schmerzmitteln ist heute unüberschaubar groß. Im Prinzip wirken sie alle ähnlich: Entweder werden die Schmerzrezeptoren und schmerzleitenden Nervenbahnen blockiert, damit die Reize überhaupt nicht zum Ge­hirn gelangen, oder die Schmerz­zentren im Gehirn gedämpft. Die Medikamente wirken letztlich also nur symptomatisch. Manche Me­dikamente dieser Gruppe wirken auch noch entzündungshemmend und beruhigend.

Medikamente gegen Kopfschmerzen

Bei den Schmerzmitteln unter­scheidet man zwei große Grup­pen: Schwache, auf die Schmerz­rezeptoren und Nervenbahnen wirkende Schmerzmittel und starke, auf das Gehirn wirkende Schmerzmittel. Die auf das Gehirn wirkenden Mittel, die teils von den Opiaten abgeleitet sind, kommen bei Kopfschmerzen grundsätzlich nicht in Frage, sondern bleiben schwersten, anders nicht zu lin­dernden Schmerzen Vorbehalten. Gegen Kopfschmerzen genügen im Allgemeinen die schwachen Schmerzmittel, die teilweise auch entzündungshemmend und fie­bersenkend wirken.

Das am häufigsten verwendete Mittel dieser Gruppe ist die Azetyl­salizylsäure, die rezeptfrei erhält­lich ist und im Allgemeinen gut vertragen wird. Sie kann aber ver­schiedene Nebenwirkungen her­vorrufen: Übelkeit, Magenschmer­zen, Sodbrennen, allergische Re­aktionen der Haut und Atemwege, Blutgerinnungsstörungen und Nierenschäden. Gegen die vor­übergehende Einnahme von Aze­tylsalizylsäure bei akuten Schmer­zen bestehen keine prinzipiellen Einwände, über längere Zeit soll sie nicht verabreicht werden, ins­besondere nicht zur Selbsthilfe. Bei Magenleiden und bekannter Überempfindlichkeit sollte man sie nicht anwenden.

Umstritten sind Kombinationen von Azetylsalizylsäure mit anderen Wirkstoffen. Teils werden sie als wenig nützlich beurteilt, teils können die weiteren Bestandteile zusätzliche Nebenwirkungen her­vorrufen. Deshalb begnügt man sich möglichst mit Präparaten, die nur Azetylsalizylsäure enthalten. Weitere wichtige Vertreter der schwachen Schmerzmittel sind Anilinderivate wie Paracetamol, Phenylalkylsäurederivate wie Ibu­profen, das erst kürzlich aus der Rezeptpflicht entlassen wurde, Flufen- und Mefenaminsäure, Indomethacin, andere Indolab­kömmlinge sowie Phenazon und ähnliche Pyrazolderivate. Teils sind sie ähnlich gut verträglich und wirksam wie Azetylsalizyl­säure, teils muss mit erheblich stär­keren Nebenwirkungen gerechnet werden. Grundsätzlich sollten alle diese Wirkstoffe auch dann nicht zur Selbsthilfe verwendet werden, wenn sie rezeptfrei erhältlich sind. Falls Azetylsalizylsäure bei Kopf­schmerzen nicht rasch hilft, zieht man den Therapeuten zu, damit keine möglicherweise ernste Er­krankung unnötig verschleppt wird.

Spezielle Migränemittel

Die oben genannten Wirkstoffe können bei leichteren Migränean­fällen ausreichen, um die Schmer­zen zu lindern. Wegen der ver­stärkten Wirkung sind auch Kom­binationen mit Koffein geeignet, das die Volksmedizin wegen seiner gefäßverengenden, harntreiben­den und allgemein anregenden Wirkung seit alters bei Migräne in Form von schwarzem starkem Kaf­fee mit Zitronensaft empfiehlt. Koffein wirkt aber zu unsicher, als dass man jede Migräneattacke da­mit behandeln könnte. Oft enthal­ten die Kombinationsmittel auch noch Metoclopramid oder einen ähnlichen Wirkstoff gegen Übel­keit und Brechreiz.

Genügen diese Medikamente bei stärkeren Anfällen nicht, setzt man spezielle Migränemittel ein. Zu den wichtigsten gehören die Mut­terkornalkaloide (Ergotamin, Di­hydroergotamin); sie verengen die erweiterten Gefäße im Kopf und lindern dadurch die Schmerzen. Eine ausreichende Wirkung darf man aber nur erwarten, wenn man sie frühzeitig einnimmt. In schwe­ren Fällen können diese Mittel auch gespritzt werden. Ein Teil dieser Medikamente enthält eben­falls Koffein und gegebenenfalls einen Wirkstoff gegen Übelkeit und Brechreiz, um die Wirkung zu verbessern.

Mutterkornalkaloide leiten sich von dem als Schmarotzer auf Ge­treideähren lebenden Pilz Claviceps purpurea ab und sind giftig. Deshalb treten oft erhebliche Ne­benwirkungen auf, zum Beispiel Schwindel, Durchblutungsstörun­gen, Herzbeschwerden, Erbre­chen, verstärkte Übelkeit und Empfindungsstörungen in den Gliedern. Während der Schwan­gerschaft, bei verschiedenen Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schilddrüsenstörungen, Leber und Nierenleiden sind Mutter­kornalkaloide nicht erlaubt.

Die Wirksamkeit wird bei 75-90% der Migränekranken als sehr gut bis zufriedenstellend beurteilt, die Ursachen lassen sich aber auch durch Mutterkornalkaloide nicht beseitigen. Bei längerem Ge­brauch droht chronische Vergif­tung mit wiederkehrenden Kopf­schmerzen, die eine Entziehung in der Klinik erforderlich macht. Grundsätzlich sollten Mutterkorn­alkaloide allenfalls bei akuten Schmerzattacken, nicht zur Vor­beugung in anfallsfreien Zeiten verabreicht werden.

Als Alternative zu den Mutterkorn­alkaloiden verordnet man ver­mehrt Betablocker, die eigentlich vorwiegend bei Bluthochdruck und Angina pectoris angezeigt sind. Durch Zufall stellte man fest, dass sie auch bei Migräne helfen. Sie blockieren bestimmte Rezepto­ren des sympathischen Nervensy­stems und beeinflussen dadurch die Gefäßweite. Obwohl es sich nicht um Gifte handelt, sind sie keineswegs harmlos; unter ande­rem kann es zu unerwünschtem Blutdruckabfall, Durchblutungs­störungen, allergischen Reaktio­nen, Verengung der Atemwege und sogar zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen. Bei be­stimmten Herzleiden, Bronchial­asthma und chronischer Bronchi­tis soll auf die Einnahme verzichtet werden.

Ebenfalls neu ist der Einsatz von Kalziumantagonisten, die unter anderem bei Bluthochdruck ver­wendet werden. Ihre Wirksamkeit bei Migräne entdeckte man zufäl­lig; sie wird dadurch erklärt, dass die Wirkstoffe die Überschwem­mung der Hirnzellen mit Kalzium verhindern. Das vermeidet oder unterbricht offenbar den Migräne­anfall. Zu den Nebenwirkungen gehören besonders chronische Müdigkeit, Mundtrockenheit und erhebliche Gewichtszunahme. Dauerbehandlung zur Vorbeu­gung mit Kalziumantagonisten ist nicht zu empfehlen.

Es gibt heute also eine große Zahl spezieller Migränemittel, die un­terschiedlich gut wirken und ver­träglich sind. Der Arzt wird daraus die im Einzelfall am besten zur vor­übergehenden Therapie akuter Anfälle geeigneten auswählen. Fast alle sollten wegen ihrer Ne­benwirkungen nicht über längere Zeit eingenommen werden. Die Langzeit Behandlung von Kopfschmerzen kann nur in einer ganzheitlichen Therapie be­stehen. Sie sorgt dafür, dass die Selbstheilungskräfte von Körper, Geist und Seele die Anfälle ver­mindern, mildern und im Lauf der Zeit auch die Ursachen beseitigen.

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