Bewusste ayurvedische Ernährung spendet Lebenskraft

Ein Großteil unserer Aufmerksamkeit widmen wir der richtigen Ernährung: Ob es nun um das Ausprobieren einer neuen Diät, um die Behandlung ernährungsbeding­ter Krankheiten oder um den Kampf mit überflüssigen Pfunden geht – die Ernährung als Faktor unserer Gesund­heit ist bei uns im Westen Nummer eins.

Das ayurvedische Ernährungskonzept

Trotzdem reagieren viele Menschen auf das Aufdecken unserer Ernährungssünden und auf die ständigen Empfeh­lungen für die ideale Zusammensetzung unserer Speisen mit großer Unsicherheit. Sie plagen sich mit einem schlech­ten Gewissen, wenn es um die gesündeste aller Ernährungs­weisen geht: Vollwert, Rohkost oder vegetarisches Essen oder alles auf einmal? Doch was passiert, wenn das Unge­kochte schwer im Magen liegt, das Vollwertige alles andere als appetitanregend ist und das nicht gegessene Schnitzel ständig im Kopf herumkreist?

Nach ayurvedischen Ernährungsregeln wirkt Nahrung, die man auf­grund einer bestimmten Disziplin zu sich nimmt, auf Dauer schädigend. Dieser Grundsatz sollte bei allen Be­mühungen um gesundes Essen an erster Stelle stehen, denn Nahrung soll uns Lebenskraft spenden und unser Wohlbefinden steigern.

Die folgenden Ausführungen geben Ihnen einen kleinen Überblick über das ayurvedische Ernährungskonzept, das Sie auch während eines Kuraufenthalts kennenlernen. Vor­weg gesagt: Vergessen Sie alles, was Sie über herkömmliche Diäten wissen und was Sie an Nährwert-, Cholesterin- und Kalorienangaben kennen. Der Ayurveda macht Sie mit vier wichtigen Weisheiten vertraut, die Ihnen zu mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit der Ayurvedischen Ernährung verhelfen.

 Essen ist Medizin

Was und wie viel wir essen, wie wir unsere Nahrung zube­reiten, wie viel Zeit wir uns zur Nahrungsaufnahme neh­men und in welcher geistigen Verfassung wir während des Essens sind – all dies entscheidet mit darüber, ob wir uns richtig oder falsch, gut oder schlecht ernähren. Im Ayur­veda kommt der Ernährung die Bedeutung eines natürli­chen Medikaments zu – Arzneimittel und Heilkräuter wer­den erst dann verordnet, wenn die richtige Ernährung allein nicht mehr heilsam wirkt.

Essen ist ein sinnliches Erlebnis

Der Ayurveda schenkt Kalorien, Vitaminen, Mineralstoffen, Fetten, Proteinen und Kohlehydraten nicht die Beachtung, die diese Inhaltsstoffe bei uns erfahren. Obwohl ayurvedische Heilkundige die Zusammensetzung einzelner Nah­rungsmittel kennen, liegt der Schwerpunkt dieses Ernäh­rungskonzepts in unserer sinnlichen Wahrnehmung: Diese Inhaltsstoffe sind nämlich für unsere Sinne nicht wahr­nehmbar. Wir wissen zwar, dass eine Orange viel Vitamin C enthält, können diesen Bestandteil aber weder schmecken, riechen noch sehen.

Der subjektiven Erfahrung im Umgang mit den Nahrungs­mitteln wird mehr Bedeutung beigemessen als den objekti­ven Inhaltsstoffen. Das heißt, wenn Sie die Orange essen, schmecken Sie deren charakteristisches Aroma. Entweder Sie mögen diesen Geschmack, oder Sie entwickeln dagegen eine Abneigung. Vermutlich haben auch Sie im Laufe Ihres Lebens ganz bestimmten Nahrungsmitteln gegenüber Vor­lieben oder Abneigungen entwickelt. Danach richten Sie sich bei der Auswahl der Lebensmittel vermutlich eher als nach ernährungswissenschaftlichen Richtlinien. Außerdem ist es entscheidend, wie Sie ein Nahrungsmittel vertragen: Wenn Ihnen die Orange Sodbrennen und Magen­druck bereitet, wählen Sie sicherlich bei Ihrem nächsten Einkauf andere Obstsorten aus. Auch deshalb wirken Nah­rungsmittel, die Sie mit Lust essen, die Sie als besonders schmackhaft empfinden und nach deren Genuss Sie sich wohl fühlen, wie gute Medizin.

 Jeder Mensch braucht andere Speisen

Durch die ayurvedische Konstitutionslehre haben Sie erfah­ren, dass jeder Typ mit unterschiedlichen Verhaltensweisen auf äußere Einflüsse reagiert. Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, ist einer dieser Einflussfaktoren von außen: So wie jeder Mensch sein individuelles Dosha-Programm in sich trägt und danach lebt, braucht jeder auch seine indivi­duelle Nahrungszusammenstellung, die ihm persönlich gut bekommt. Während unsere Ernährungswissenschaft eher allgemeine Essvorschriften erteilt, beispielsweise das ideale Maß an Protein einzuhalten oder Fett und Süßigkeiten zu reduzieren, so orientiert sich der Ayurveda an den Bedürf­nissen der Konstitution: Menschen mit überwiegendem Kapha rät er von allzu Fettem ab, empfiehlt aber Vata-Menschen, auf das rechte Maß an Fettzufuhr zu achten.

 Gute Verdauung — gesunder Mensch

Probleme mit der Verdauung hat fast jeder von uns von Zeit zu Zeit: Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung, Sodbrennen oder saures Aufstoßen sind nur einige Symptome, die auf eine Störung im Verdauungstrakt hinweisen. Im Ayurveda gilt jede Störung der Verdauung – und sei sie noch so geringfügig – als Wegbereiter verschiedener Erkrankungen. Eine gute Verdauung hingegen bildet die Grundlage für Gesundheit und langes Leben, verspricht die Ayurveda Ernährung.