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Das Pilzrisiko im Alter

 

Pilzerkrankungen durch Dermatophyten an der Haut, an Haaren und Nägeln sowie Schleimhautinfektionen durch Hefepilze kommen besonders häufig bei Menschen vor, die älter sind als 60 Jahre. Die Ursache dafür ist die Zunahme von Durchblutungsstörungen und Diabetes, aber auch Verschlechterungen des Gebisses und des Hautzustandes, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen ins­gesamt sowie manchmal auch veränderte Lebens- und Hygienebedingungen.

Das heißt zum Beispiel konkret: Älteren Menschen ist leicht kalt; sie ziehen sich wärmer an, und das verhin­dert eine ausreichende Belüftung der Haut. Wärmestau und feuchte Haut (durch Schweiß oder Blasenschwäche) begünstigen aber Pilze. Wer sich nur noch schlecht be­wegen kann, hat auch Probleme mit der Körperpflege. Stoffwechselstörungen, Übergewicht und Trägheit neh­men zu, Ernährungsfehler häufen sich. Ältere Menschen nehmen häufiger Medikamente. Und wie viele andere Krankheiten neigen Pilzinfektionen im Alter dazu, chro­nisch zu werden. Dann sind sogar gefährliche Komplika­tionen möglich.

Welche Hautpilze sind im Alter häufiger?

Häufigkeit und Ausprägung der Candida-Mykosen sind bei Diabetes, bei Übergewicht und generell bei Frauen im Alter besonders gesteigert. Als besonders verbreitet und hartnäckig erweisen sich vor allem Fuß- und Nagel­pilze sowie Pilze im Mund und Darm.

Warum sind auch die Schleimhäute betroffen?

Die Darmschleimhaut, aber auch die hautnahen Schleimhäute im Mund und Rachenraum sowie im Ge­nitalbereich sind im Alter bevorzugte Angriffsstellen für Hefepilze. Eine schlecht sitzende Zahnprothese bietet ihnen ausgezeichnete Vermehrungschancen. Oft sind Er­scheinungen die Folge, die ähnlich wie Herpes aussehen: Ekzeme mit weißlichen Ablagerungen. Häufig kommt auch der Perleche-Typ vor: Erst röten sich die Mundwinkel, dann bilden sich dort Krusten. Die Schleimhaut kann sich aber auch verdünnen, bis sich die Zunge rot färbt. Vor allem ältere Männer leiden oft an Candida-Infektionen der Vorhaut, die sich erst rötet und schwillt. Spä­ter treten weißliche Beläge auf, Juckreiz und schließlich quälende Schmerzen.

Ein Grund für die Anfälligkeit der Schleimhäute ist schlechte Durchblutung, ein anderer die abnehmende Fähigkeit des Gewebes zur Selbstreinigung und Zeller­neuerung. Bei Prostata-Geschwülsten zum Beispiel kann all dies Zusammenkommen. Die meisten Pilzerkrankun­gen verursachen erst spät wirklich starke Beschwerden. Deshalb gehen viele Patienten zu spät zum Arzt, und die Behandlung erweist sich als langwierig und problema­tisch.

Was ist eine Windeldermatitis?

Etwa 20 Prozent aller Männer und Frauen über 70 lei­den an Blasenschwäche oder können auch den Stuhl nicht halten. Sie müssen daher Windeln tragen. Nun sind moderne Produkte schon sehr saugfähig, aber sie schließen doch den Genitalbereich ab, und die Haut lei­det unter der Feuchtigkeit. Im Alter wird die Haut oh­nehin leicht rissig; das erhöht das Risiko des Eindringens von Erregern um das Zehnfache. Feuchte Haut wird be­sonders reiz- und reibungsempfindlich.

Durch die Bildung von Ammoniak bei der Zersetzung von Stuhl und Urin wird die Haut zudem durch einen erhöhten pH-Wert gereizt. Bei diesem Prozess entstehen auch Enzyme, die den Zellabbau fördern. Alle diese Fak­toren zusammen führen dann leicht zu einer Candida- Infektion im Windelbereich, von den Ärzten Windeldermatitis genannt. Ist zudem bereits der Darm pilzinfiziert, ist die Ansteckung der angegriffenen Haut im Anal- und Genitalbereich aus diesem Pilzreservoir schon vorpro­grammiert.

Wie bei Säuglingen äußert sich auch bei älteren Men­schen eine Windeldermatitis erst mit starkem Juckreiz und dann in schmerzhaft geröteter Haut im After- und Genitalbereich. Dieses Krankheitsbild kann sich bis in die Leistengegend ausbreiten. Behandelt wird die Win­deldermatitis mit antimykotischer Salbe oder Puder. Wenn nötig, müssen auch Mittel gegen Darmmykosen gegeben werden.

Welche Komplikationen kann es bei Hautpilzen im Alter geben?

Meistens verlaufen Pilzerkrankungen im Alter chronisch. Sind Dermatophyten die Ursache, ist die Krankheit grundsätzlich nicht bedrohlich, aber sehr lästig. So kann etwa ein Fußpilz in die Leistengegend streuen und star­ken Juckreiz hervorrufen. Hefepilzinfektionen der Mund­höhle können recht schmerzhaft sein, und das hat Fol­gen: Patienten tragen ihre Prothese nicht mehr, essen nicht mehr richtig, kauen nicht mehr richtig.

Eine solche Infektion kann auch bis in das Blut gelan­gen und eine Pilzinvasion verursachen, die dann Leber, Milz und Nervensystem schädigt. Sehr selten sind auch Geschwüre in der Speiseröhre und eine Blutvergiftung die Folge.

Wie werden Pilzkrankheiten im Alter behandelt?

Wie schon beschrieben werden Proben unter dem Mi­kroskop untersucht und Pilzkulturen im Labor analysiert. Das ist schon deshalb wichtig, weil manche Erreger un­empfindlich (resistent) gegen bestimmte Medikamente sind oder werden können. Überdies können wechselnde Erreger im Spiel sein. Oft muss aber eine Behandlung schon beginnen, be­vor man die Ergebnisse solcher Untersuchungen hat. Grundsätzlich werden daher bei Haut- und Schleim­hautmykosen zuerst Salben eingesetzt.

Bei nässenden Candidosen sind Salben jedoch unge­eignet, weil sie Luft fernhalten und die Krankheit eher verschlimmern würden. Stattdessen wählt der Arzt in der Regel eine Creme oder auch eine Lösung. Gegen In­fektionen der Mundhöhle gibt es auch wirksame Pasten oder Gels.

Spezielle Präparate mit Harnstoff werden bei Nagel­mykosen verwendet; sie müssen Hornschichten gut durchdringen können und lassen sich gut mit einem Na­gelset kombinieren, zu dem auch Pflaster und Wegwerf- Feilen zum Abtragen von aufgeweichtem Nagelmaterial gehören. Gerade bei Nagelpilzen kann man manchmal nur eine Ausbreitung der Krankheit verhindern und die Sym­ptome lindern, weil die in Frage kommenden Medika­mente doch manchmal unerwünschte Nebenwirkungen haben. Die Behandlung dauert in solchen Fällen norma­lerweise drei Monate.

Ist eine Radikalkur im Alter noch sinnvoll?

Gerade bei älteren Menschen sind die Risiken uner­wünschter Nebenwirkungen gegen die Verordnung sy­stemischer Arzneimittel abzuwägen. Es kann sinnvoll sein, nur die Symptome der Pilzinfektion zu bekämpfen. Weiter geht man nicht, um das Immunsystem zu scho­nen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamen­ten zu vermeiden.

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