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Der Apfel und seine Biophenole

Das einzige, was Adam und Eva aus dem Paradies mitnehmen durften, war der Apfel. Seine Her­kunft merkt man dem Obst noch heute an. Seit der liebe Gott es sich anders überlegt hat, verheißt diese Frucht zwar keine Unsterb­lichkeit mehr, aber sie fördert Gesundheit und Wohlbefinden – zwei Güter, die außerhalb des Paradieses mehr zählen als ewi­ges Leben.

Der Volksmund behauptet:

  • Ein Apfel am Tag vertreibt jedes Ach, und das Weh bleibt fern, isst du ihn ohne Kern.
  • Ein Landarzt in Sachsen verab­schiedete zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Patienten mit den Worten: Ein Apfel täglich – und dein Doktor hungert unsäglich!
  • In England und den USA heißt es: An apple a day keeps the doctor away. (Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern.)

Die Forscher fahnden noch, welche der über 300 Inhaltsstoffe des Apfels den Arzt brotlos ma­chen. Gute Chancen, den Preis zu gewinnen, haben die Biophenole, von denen es in der Natur, grob ge­schätzt etwa 10000 gibt. Früher fasste man sie unter dem Namen Gerbstoffe zusammen, heute nennt man sie häufig Flavonoide, doch diese umfassen, streng genommen, nur einen Teil der Biophenole. Obwohl Forscher seit etwa 100 Jahren immer mehr Biophenole entdecken, begeisterten sich nur wenige für diese Stoffklasse, hielt man sie doch lange für überflüs­sig und für pflanzlichen Abfall. Der Ungar Albert Szent-Györgyi enträtselte den chemischen Auf­bau von Vitamin C und erhielt dafür den Nobelpreis. Er unter­suchte in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts die Flavonoide von Paprika. Da sie die Blutgefäße durchlässiger (permeabel) ma­chen und Vitamin C vor dem Zerfall schützen, nannte er diese Stoffe Vitamin P (P = Paprika = Permeabilität). Die Fachwelt be­nutzte den Begriff jedoch nur un­gern, weil es den Wissenschaftlern nicht gelang, eine Vitamin P-Mangelkrankheit auszulösen. Sie folgerten daraus, dass Vitamin P nicht lebensnotwenig und des­halb kein Vitamin sei. Jede Pflanze, ob Obst, Gemüse, Kräuter oder Getreide, enthält Biophenole, und zwar meist mehrere Dutzend, Früchte zwi­schen 100 und 500 mg% (sie­he Seite 172), Gemüse etwa 100mg%. Es ist daher nahezu unmöglich, keine Biophenole zu essen, und deshalb gelang es den Wissenschaftlern auch niemals, einen Mangel zu erzeugen. Bisher weiß man nur sehr wenig darüber, welche Aufgaben die einzelnen phenolischen Stoffe im Organismus erfüllen. Einige wur­den im Labor Viren, Pilzen und Bakterien verabreicht oder man verfütterte sie an Tiere, um die Einzelwirkung zu testen. In der Natur treten Biophenole immer im Verbund mit Verwand­ten auf, erledigen ihre Arbeit ge­meinsam, ergänzen oder verstär­ken sich.

Auch wenn Forscher nach und nach das Geheimnis der »Kraft und Wirkung« von Sanddorn, Schwarzer Johannisbeere, Holun­der, Apfel, Feldsalat, Grünkohl und Möhre lüften, werden Flavonoid-Pillen auch in Zukunft Gemüse und Obst nie ersetzen, denn die Biophenol-Vielfalt ist zu groß. Wer glaubt, mit Rotwein, der sehr viele Biophenole enthält, seiner Gesundheit Genüge zu tun, unterschätzt all die übrigen Stoffe, die im Obst und Gemüse stecken. In der Regel enthalten sie zwar nur kleine Mengen, aber »viele Fingerhüte voll Wasser fül­len auch einen Eimer«, wie man in Nepal sagt.

Vorbeugen ist besser als heilen

Was für Gartenfrüchte generell gilt, trifft auch für die Biophe­nole zu: Sie sind besser im Vor­beugen als im Heilen. Das hat den Vorteil, dass nicht mit »Ne­benwirkungen« rechnen muss, wer über die Stränge schlägt und z. B. Kirschen pfundweise isst. Studien beweisen, dass Menschen, die regelmäßig Obst und Gemü­se essen, ein geringeres Risiko tragen, an Zivilisationsleiden wie Herzinfarkt, Schlaganfall und bestimmten Krebsarten zu er­kranken. Biophenole leisten dazu einen beträchtlichen Beitrag. Zum einen, weil wir täglich viele Biophenole zu uns nehmen, mehr als von den anderen Färb-, Ge­ruchs- und Geschmackstoffen, und zum zweiten, weil sie sehr vielfältig wirken.

Vielseitig wirksam

• Flavonoide und Phenolsäuren schützen vor Viren, Pilzen und Bakterien. Der Apfel als Zahnbür­ste der Natur beugt Zahnfäule vor. Seine Biophenole verhin­dern, dass sich Kariesbakterien an den Zähnen ansiedeln und vermehren. Trotz ihrer antimikrobiellen Eigenschaften ersetzen Äpfel und anderes Obst jedoch nicht das regelmäßige Zähneput­zen; denn auch die restliche Nah­rung beeinflusst entscheidend, wie dick Zahnbeläge sich abla­gern. Ein Apfel ist schnell über­fordert.

Flavonoide wirken nicht nur gegen Kariesbakterien, sondern auch gegen Eitererreger, gegen Mikroorganismen, die Lebens­mittel verderben, und gegen Bak­terien, die Durchfall und andere Magen-Darm-Störungen verur­sachen. Getrocknete Heidelbee­ren und Preiselbeeren gelten z.B. als traditionelles Heilmittel bei Durchfall.

• Verschiedene Flavonoide, die das Wachstum von Mikroben be­hindern, schützen auch vor Ent­zündungen.

• Einige Biophenole hemmen die Blutgerinnung, regulieren die Durchlässigkeit der Blutgefäße und fördern die Durchblutung. Dadurch beugen sie Krankheiten wie Thrombose, Schlaganfall und Herzinfarkt vor und verhindern, dass die Gefäße vorzeitig altern.

In vielen Arzneimitteln, die die Durchblutung fördern, stecken flavonoidreiche Weißdorn- und Ginkgo-Auszüge.

• Einige unter den rund 5000 Flavonoiden ergänzen und erset­zen zum Teil Vitamin C, andere senken den Blutdruck, regulieren Blutfett- (Cholesterin-) und Blut­zuckerspiegel, fördern die Ver­dauung und stärken das Immun­system.

• Bestimmte Flavonoide dämp­fen das Immunsystem und ver­zögern damit die Bildung von Substanzen, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind.

• Flavonoide verhindern, dass radikale Stoffe entstehen oder »entschärfen« sie, sobald sie auf­tauchen und bevor sie Schaden anrichten.

• Täglich prasseln unzählige krebserregende Stoffe über Au­gen, Haut, Lunge und Nahrung auf uns ein. Es ist eigentlich ein Wunder, dass wir noch leben. Dies verdanken wir unter anderem den Biophenolen, allerdings nicht nur, weil sie gefährliche Radikale abfangen. Unter ihnen gibt es auch einige, die ähnlich aussehen wie die Bausteine (Nucleotide) unserer Gene (DNS). Indem sich die Phenole an der DNS anlagern, verhindern sie, dass Krebsauslö­ser dort andocken und Schaden anrichten.

Bevor sie ihr unheilvolles Werk beginnen, müssen die Stoffe, die Tumore verursachen, aktiviert werden. Biophenole unterbinden diesen Vorgang, und sie fördern die Arbeit von Entgiftern, die ak­tivierte Krebsauslöser unschäd­lich machen. Frisches Obst und Gemüse beugt vor allem Krebs an Magen, Darm, Prostata, Leber und anderen Organen vor.

Biophenole wirken gegen hoch­gradig krebserregende Pilzgifte Aflatoxine), gegen Nitrosamine (in Zigarettenrauch, Grill-, Pökel­fleisch) und weitere Krebsauslö­ser (z.B. Benzpyren). Außerdem blockieren sie die Bildung von Xitrosaminen im Körper.

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