Der osteopathische Grundgedanke

Alles soll fließen

Alles fließt, alles soll fließen, lautet der osteopathische Grundgedanke. Denn Leben heißt Bewegung – das gilt für die Atmung, das Herz, wel­ches Blut in unsere Gefäße pumpt, für Nervenbahnen, Sehnen und Muskeln. Der menschliche Körper funktioniert über Bewegungsketten – ist irgendwo etwas blockiert, entstehen Krankheiten.

Entstanden aus bitterer Hilflosigkeit

Die Betrachtung des Organismus als Einheit, die Bedeutung der le­bensnotwendigen Mobilität aller Gewebe im Körper, seine Fähigkeit zur Selbstregulierung und der enge Zusammenhang von Struktur und Funktion aller Teile – das ist die Lehre eines amerikanischen Priester­sohns, Landwirts und Arztes namens Andrew Taylor Still (1828-1917). Er begründete vor rund 120 Jahren die Osteopathie und reagierte da­mit auf den Kenntnismangel der damaligen Schulmedizin. Machtlos hatte er als Arzt mit ansehen müssen, wie seine erste Frau und vier sei­ner Kinder an Krankheiten starben. Deshalb suchte Still nach einem neuen Verständnis von Gesundheit, von Krankheit, vom menschli­chen Körper und von dem, was Medizin sein sollte.

Die neue Lehre fand rasche Ausbreitung

Die grundlegenden Einsichten Stills stellen bis heute das Fundament der Osteopathie dar, gebildet aus den griechischen Worten »Osteon« (Knochen) und »Pathie« (Leiden, Krankheit). Seit Stills Zeit hat sich die Osteopathie rasant weiterentwickelt und ist um wesentliche Bereiche ergänzt worden. Inzwischen praktizieren rund 40 000 Osteopathen in den USA, die medizinische Lehre ist auch fester Bestandteil bei den amerikanischen Streitkräften. Nach Europa kam die Idee der Osteopathie im Reisegepäck eines englischen Studen­ten von Dr. Still: John Martin Littlejohn gründete erst in Chicago ein zweites amerikanisches Institut und nach seiner Rückkehr in die Hei­mat 1917 in London die erste Schule für Osteopathie. In den 1950er Jahren verbreitet sich die Lehre in Frankreich und Belgien, in Deutsch­land wurde hingegen erst Ende der 1980er Jahre die erste Schule für Osteopathen gegründet. Inzwischen gehört die Osteopathie sowohl in den USA als auch in zahlreichen europäischen Ländern zu den be­währten und allgemein anerkannten Formen der Medizin, selbst wenn sie immer noch als junge Wissenschaft gilt.

Heilen mit sensiblen Händen

In der Osteopathie wird weder mit Instrumenten noch mit Medika­menten gearbeitet. Die Therapeuten benutzen nur ihre Hände, um herauszufinden, was den Patienten fehlt, um die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren und so den Patienten zu heilen. Mit seinen feinfühli­gen und geschulten Händen kann der Osteopath Funktionsstörungen ertasten, die sich ihm in Form von Bewegungseinschränkungen zei­gen. Indem er mit seinen Händen die Bewegungseinschränkungen löst, hilft er dem Körper, Funktionsstörungen zu beheben. Der Osteopath leistet damit Hilfe zur Selbstheilung: Durch die wieder­hergestellte Bewegung unterstützt er die Selbstheilungskräfte des Kör­pers, die so der gestörten Struktur zu ihrer normalen Funktion zurück verhelfen. Durch seine genauen Kenntnisse der Anatomie und Physiologie dringt er dabei von den Symptomen zu den Ursachen der Beschwerden vor und ordnet jede Störung und deren Behandlung in die Bewegungszusammenhänge des gesamten Organismus ein.

Mit ganzheitlichem Ansatz

Ich möchte Ihnen die Lehre der Osteopathie hier näher bringen. Ich möchte Ihnen zeigen, wie der ganzheitliche Ansatz, der dahinter steht, bei vielen Beschwerden wirksam helfen kann. Zur Veranschauli­chung unserer Erkenntnisse berichten wir außerdem über zahlreiche Heilungserfolge aus der Praxis.