Heilfasten ist zum Abnehmen nicht geeignet

Das totale Fasten, auch Nulldiät genannt, ist die strengste und eingreifendste Maßnahme der Gewichtsreduktion. Die Patienten erhalten lediglich Flüssigkeiten (energiefreie Getränke), Vitamine (Vitaminpräparate mit fett- und wasserlöslichen Vitaminen) und Mineralstoffe (Mineralstoffpräparate mit Mengen- und Spurenelementen). Es kann durchaus sinnvoll sein, ein überlastetes Organ, wie es in unserer Gesellschaft der Magen-Darm-Trakt immer häufiger ist, für kurze Zeit zu entlasten. Diese Aussage trifft aber nur für gesunde Menschen zu, und die Entlastung darf ein bis drei Tage nicht überschreiten, um dem Muskelabbau vorzubeugen. Außerdem müssen lebenswichtige Substanzen in ausreichender Menge zugeführt werden. Geht das totale Fasten aber über wenige Tage hinaus, steigen in Abhängigkeit von der Zeit des Fastens auch die Gefahren für die Gesundheit.
Versuche, in Deutschland und in allen Wohlstandsländern das ständig steigende Übergewicht in der Bevölkerung wieder abzubauen, sind bisher kläglich gescheitert. Der Luxuskonsum von Lebensmitteln und der extreme Bewegungsmangel der letzten Jahrzehnte bringen unübersehbar ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen. Fehl- und Überernährung sind für den menschlichen Organismus nicht hilfreich. Bequeme Lösungen, wie in unserer Zeit üblich, werden gesucht, um den Luxuskonsum beizubehalten und möglichst schnell die Fehler zu vertuschen.
Das Problem dabei ist, dass wir die Gesetze unserer Herkunft vernachlässigen. Der Mensch ist auf Bewegung bestens konzipiert, und der Stoffwechsel ist auf Hamstern eingestellt, um für schlechte Zeiten Reserven anzulegen. Dass heute keine „schlechten Zeiten” und Hungersnöte mehr drohen, ist eine Tatsache, auf die unser Stoffwechsel nicht eingestellt ist. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass weitaus nicht alle Menschen auf diesem Planeten im Überfluss leben. Hunger und Unterernährung prägt noch immer viele Gegenden auf diesem Erdball. Vor diesem Hintergrund ist die Energiespeicherung beim Menschen in Form von Fettgewebe nur gut. Der menschliche Stoffwechsel ist über Jahrmillionen geprägt durch Hunger, und so ist der Stoffwechsel auf das Anlegen von Vorräten programmiert.
Zudem ist der Stoffwechsel darauf gepolt, die mühsam angelegten Fettreserven im Notfall nur langsam abzubauen. Damit drohen nach der Fastenkur der Jo-Jo-Effekt und Cellulitis. Außerdem reduziert regelmäßiges Fasten den Grundumsatz, sodass Menschen immer schlechter abnehmen. Zudem ist eine Kur nicht geeignet, das dauerhafte Ernährungsverhalten positiv zu verändern.
Künstlich Hungersnöte in Form von Fastenkuren einzuleiten, erscheint wenig sinnvoll. Der Organismus schützt effektiv seine Fettreserven und baut rasch relativ viel Muskelmasse ab, um den Energiebedarf zu reduzieren und eine Hungersnot überleben zu können. Nur wenn der Körper ausreichend Proteine und andere lebenswichtige Substanzen erhält, kann es zu sinnvollen Effekten kommen. Aber das ist bei den klassischen Fastenkuren nicht vorgesehen.

Auch beim Fasten schützt der Körper seine Fettreserven.
Erschreckend ist, dass Fasten hinsichtlich seiner Neben- und Wechselwirkungen verklärt wird. Jedes Jahr fasten – vornehmlich im Frühjahr – Menschen, die nicht wissen, dass sie sich massiv durch den Nahrungsentzug schaden könnten. Für das Fasten gibt es eine breite Anzahl von Kontraindikationen: Grundsätzlich nicht fasten dürfen Schwangere, Stillende, Kinder, Heranwachsende, Menschen, die ah konsumierenden Krankheiten leiden (Krebs – diesen Patienten wird es aber manchmal sogar empfohlen), Diabetiker, Übergewichte und psychisch Kranke, Genesende sowie alle Menschen mit chronischen Krankheiten. Vor diesem Hintergrund dürften eigentlich nur völlig gesunde Erwachsene fasten.

Heilfasten ist zum Abnehmen nicht geeignet
Heilfasten kann nur sinnvoll sein, wenn der Bedarf an lebenswichtigen Substanzen gedeckt ist und eine enge ärztliche Überwachung stattfindet. Aber warum sollten Menschen überhaupt aus medizinischen Gründen fasten? Als Maßnahme zum gezielten Fettgewebsabbau bei Übergewicht ist Fasten in der Regel nicht geeignet und gilt heute in der Adipositastherapie als obsolet. Lediglich das proteinangereicherte Fasten kann überhaupt positive Effekte erzielen. Neben wenig Fett wird während des längeren Fastens – ohne oder bei geringer Proteinzufuhr – auch immer reichlich Eiweiß aus der Muskulatur abgebaut. Der Energiehaushalt, der Mineral- und Hormonstoffwechsel werden empfindlich gestört. Fasten ist purer Stress für den menschlichen Organismus und überschwemmt den Organismus mit Schadstoffen, die beispielsweise im Fettgewebe gespeichert sind. Außerdem führt das Fasten zur Übersäuerung in Form einer Ketoazidose. Und über den extremen Verlust von Muskulatur wird die Diurese (Harnausscheidung) so stark gepusht, dass massive Verluste von lebenswichtigen Mineralstoffen zu befürchten sind. Im Rahmen des Muskelabbaus wird auch der Herzmuskel angegriffen. Insgesamt verarmt der Organismus durch das Fasten an lebenswichtigen Eiweißbausteinen (Aminosäuren), Mineralwasser und Spurenelementen, wasserlöslichen Vitaminen und weiteren essenziellen Nahrungsbestandteilen. Die Darmflora geht zugrunde, sodass Fasten das Abwehrsystem des Körpers schädigt. Das alles führt zu unterschiedlichen gesundheitlichen Schäden, insbesondere dann, wenn bereits versteckte gesundheitliche Schäden vorhanden sind.
Nur in wenigen Fällen besteht die Notwendigkeit des Fastens, und dann nur unter ärztlicher Kontrolle. Es ist wichtig, dass Fasteninteressierte sich bei ihrem behandelnden Arzt genau über Chancen und Risiken des Fastens informieren.
Besonders hohe Risiken hat unkontrolliertes Fasten. Viele Menschen kaufen sich im Frühjahr eines der vielen Fastenbücher und fasten drauflos. Ohne eine ärztliche Untersuchung und Überwachung kann das sogar mit dem Tod enden. Der oftmals als Fastenkrise bezeichnete Abschnitt des Fastens, der mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Übelkeit,
Übersäuerung und Konzentrationsmangel einhergeht, ist vielmehr die Antwort des Organismus auf die absolute Mangelernährung. Fasten führt nicht etwa zum Wohlbefinden, sondern ist vielmehr eine Stresssituation für den gesamten Organismus.
In jedem Falle sollten also Menschen, wenn sie denn überhaupt fasten, dies nur tun, wenn ärztlicherseits nichts dagegen einzuwenden ist. Heilfasten ohne ärztliche Kontrolle kann extrem riskant sein.