Heilpflanzen bei Gesundheitsstörungen und Erkrankungen

Durch den gezielten Einsatz von Heilpflanzensäften, die bei be­stimmten Leiden eine Heilwirkung entfalten, lassen sich eine ganze Reihe von Beschwerden und Erkrankungen lindern, wenn nicht sogar beseitigen. Dies gilt insbesondere bei Beschwerdebildern, die ganz all­gemein auf das Fasten gut ansprechen. Steigert man den Nutzen des Fastens dann noch um die Wirkung von Heilpflanzensäften, stehen die Aussichten auf Genesung besonders gut.

Abwehrschwäche

Eine Saftfastenwoche ist die ideale Gelegenheit, reichlich abwehrstär­kende Säfte mit viel Vitamin C zu konsumieren, wie beispielsweise Orangen-, Zitronen-, Grapefruit- oder Johannisbeersaft. Vitamin C (Askorbinsäure) erhöht körpereigene Immunsubstanzen im Blut und macht widerstandsfähig gegen Viren und Bakterien. Es wirkt entzün­dungshemmend und antiallergisch, stärkt die Gefäßwände, kräftigt das Bindegewebe und glättet die Haut.

Kurunterstützend sind folgende Arzneisäfte: Vitamin-C-reicher Acerolasaft, der Saft vollreifer Holunderbeeren sowie Presssaft aus fri­schem Purpursonnenhutkraut (Echinacea purpurea).

Acerola

Ein indisches Sprichwort besagt: »Steht hinter der Hütte ein Acerola-baum, kann vorn die Krankheit nicht herein! « Bei der indischen Kir­sche, wie die Acerola auch genannt wird, kommen bis zu vier Gramm Vitamin C auf 100 Gramm Fruchtfleisch – das ist das 50fache dessen, was beispielsweise in Orangenfruchtfleisch steckt. Die Bioflavoproteine und Fruchtsäuren der Acerolakirsche verstärken die Wirkung von Vitamin C im Organismus. Dieser Wirkstoffkomplex ist reinem Vitamin C überlegen.

Holunder

Dass Vollreife Holunderbeeren ideale Genesungshilfen nach überstandener geistiger oder körperlicher Anstrengung sind, wussten schon unsere Vorfahren. Die moderne Wissenschaft kennt mittler­weile auch die Begründung: Holunderbeeren sind regelrechte Wirk­stoffbomben, die reichlich Karotine, Vitamin C, Zucker-, Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Rutin und andere Pflanzenfarbstoffe ent­halten. Zudem haben sie den höchsten Selengehalt aller Früchte. Se­len stärkt das Immunsystem, indem es das Innere unserer Körperzel­len vor oxidativen Schäden bewahrt. Wegen ihrer harnausleitenden, gefäßstärkenden, blut- und säftereinigenden, mild abführenden und schweißtreibenden Wirkung sollten Holundersaftgetränke bei keiner Saftfastenkur fehlen.

Sonnenhut

Der Rote Sonnenhut, ein Verwandter der Sonnenblume, wurde schon von den amerikanischen Ureinwohnern zu Heilzwecken genutzt. Nach Europa übergesetzt, diente er zunächst als Zierpflanze, bevor sein medizinischer Wert auch hier anerkannt wurde. Das Gewächs aus der Echinaceenfamilie geht aktiv gegen Viren und Bakterien vor, es wirkt keimwidrig insbesondere im Bereich der oberen Atemwege und der ableitenden Harnwege. Es stärkt insgesamt die Abwehrkräfte gegen Infektionen. Sonnenhutsaft ist zur vorbeugenden und gezielten Regulierung des körpereigenen Immunsystems vor oder während der kalten Jahreszeit, wenn das Infektionsrisiko sehr hoch ist, besonders geeignet. Nur bei Fieber soll Sonnenhut nicht eingesetzt werden.

Arteriosklerose

Artischocke * Bärlauch * Knoblauch * Zwiebel

Saftfasten führt zum Abbau von Übergewicht, senkt Blutdruck und Blutfettwerte. Da es sich dabei um Risikofaktoren für Arteriosklerose handelt, mindert Saftfasten die Gefahr, krankhafte Gefäßverengun­gen zu bekommen, die letztlich zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.

Vier Helfer stehen hierfür bereit: Presssäfte aus der Artischocke, aus blühendem Bärlauchkraut, aus Knoblauchzwiebeln sowie aus gemei­nen Küchenzwiebeln. Sie weisen eine gefäßaktive Wirkung auf. Für die Entstehung der Arteriosklerose, einer »Aderverkalkung«, sind oft zu fett- und cholesterinreiche Nahrung und zu viel Nikotin ver­antwortlich. Schaltet man diese Risikofaktoren aus, tut man das Beste für die Gefäßgesundheit. Auch reichlich Antioxidantien in der Kost wie die Vitamine A, C, E sowie der Mineralstoff Selen wirken einer Plaquebildung in den Arterien entgegen. Solche Ablagerungen rei­chern sich mit Kalzium und Cholesterin an und können mit fort­schreitendem Alter die Blutgefäße verstopfen. Antioxidantien finden sich viel in Obst-, Gemüse- und Heilpflanzensäften.

Bluthochdruck

Birke * Bohne * Brennnessel * Brunnenkresse * Kürbis * Mistel * Petersilie * Spargel * Zinnkraut * Zwiebel

Harntreibende Pflanzensäfte helfen den Blutdruck zu senken, da sie zu einer verstärkten Kochsalzausschwemmung beitragen. Zu viel Kochsalz im Organismus gilt als eine der Ursachen von Bluthoch­druck. Mild entwässernd sind Brennnessel-, Zinnkraut-, Spargel- und Kürbissaft. Stärker entwässern Birken- und Brunnenkressesaft, und stark entwässernd sind Bohnen- und Petersiliensaft. Blutdruck normalisierend wirken auch die Presssäfte frischer Misteln oder frischer Zwiebeln. Darüber hinaus sollte bei Bluthochdruck für regelmäßige Bewegung und ausreichend Entspannung gesorgt werden.

Bronchialkatarrh

Altdorn * Brunnenkresse * Huflattich * Schwarzrettich * Spitzwegerich * Thymian * Zinnkraut

Bei Katarrhen der oberen Luftwege, bei Bronchitis sowie bei ent­zündlichen Veränderungen der Rachenschleimhaut ist eine Reihe von Pflanzensäften zur Unterstützung der ärztlichen Therapie geeignet. Die Presssäfte aus frischem Spitzwegerich- oder Thymiankraut sowie aus frischen Huflattichblättern wirken schleimlösend, entzündungs­hemmend und krampflösend in den Bronchien. Andorn und Brunnen­kresse desinfizieren und hemmen Entzündungen der oberen Luft­wege und im Rachenraum. Schwarzrettichsaft hat neben seiner verdauungsfördernden auch eine entzündungshemmende, schleim­lösende und hustenstillende Wirkung. Zinnkrautsaft kräftigt das Lun­gengewebe und stärkt die Abwehrkräfte.

erhöhte Cholesterinwerte

Artischocke • Knoblauch • Löwenzahn • Schwarzrettich

Zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte sind alle Pflanzensäfte ge­eignet, die Bitterstoffe (Amara) enthalten, allen voran der Presssaft aus frischen Artischockenblüten, gefolgt von Knoblauch-, Löwen­zahn- und Schwarzrettichsaft. Die Bitterstoffe regen Leber und Gal­lenblase an und sorgen für eine verstärkte Ausschüttung von Galle in den Darm, was den Cholesterinspiegel senkt, da Gallensäure aus Cholesterin gebildet wird. Durchgreifend wirkt so eine Therapie aber nur in Verbindung mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung.

Darmträgheit

Fenchel • Manna-Feigen-Sirup • Mähren • Rote Bete • Sauerkraut • Sellerie

Ursachen einer Darmträgheit sind häufig eine sitzende Lebensweise und denaturierte, ballaststoffarme Lebensmittel. Mit Saftfasten lässt sich gut gegen eine chronisch träge Verdauung vorgehen. Es sollte je­doch Säften aus milchsauer vergorenem Gemüse wie Sauerkraut, Sel­lerie, Rote Bete oder Möhren der Vorzug gegeben werden. Sie regen die Darmtätigkeit an und harmonisieren die Darmflora. Darmanregend wirkt auch Manna-Feigen-Sirup, der aus den wasser­löslichen Bestandteilen von Feigen und dem natürlichen Manna von der im Mittelmeerraum beheimateten Esche besteht. Wird dieser Baum von einer Eschenzikade gestochen, so gibt er eine weiße mannithaltige Masse ab, das Eschenmanna. Die Masse wird eingedickt und mit Feigen angereichert. Sie ist eine sehr milde Verdauungshilfe, die auch für Schwangere und Kinder geeignet ist. Presssaft aus frischem Fenchel unterstützt die Verdauungsfunktion und lindert nervöse Magen-Darm-Beschwerden. Nach der Kur sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ballast­stoffreiche Kost sowie regelmäßige Bewegung geachtet werden.

Gelenkschmerzen

Birke • Meerrettich • Sellerie • Wacholder

Zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden sind die Pflanzensäfte von Sellerie und Birke geeignet. Saft aus den fri­schen Laubblättern der Birke (Betula pendula) ist eines der besten Diu­retika (harntreibende Mittel) aus der grünen Apotheke. Er regt sanft die Blasentätigkeit an, reizt dabei aber die Nieren nicht. Säure und Schlacken bildende Substanzen werden verstärkt ausgeschieden. Ähnlich wirken Selleriesaft und Sellerie als Salat oder Gemüse. Gerie­bener Meerrettich gilt seit jeher als altes Hausmittel gegen rheumati­sche Erkrankungen. Auch ein wässriges Destillat aus der frischen Meerrettichwurzel ist ausscheidungsfördernd und wird zur begleiten­den Behandlung empfohlen.

Bei rheumatischen Leiden und Arthrosen hat sich auch Wacholderex­trakt (wasserlösliche Anteile und ätherisches Öl vollreifer Wacholder­beeren) bestens bewährt, da er den Gelenkstoffwechsel anregt und unterstützt. Er darf jedoch nicht länger als vier bis sechs Wochen lang eingenommen werden, damit die Nieren nicht überreizt werden. Bei entzündlichen Nierenerkrankungen und in der Schwangerschaft muss auf Wacholderextrakt unbedingt verzichtet werden.

Hautprobleme

Birke • Brennnessel • Löwenzahn • Mähren • Sellerie

Bei Hautunreinheiten (Akne, Furunkel) hat sich Saftfasten aufgrund seiner regenerierenden und ausleitenden Wirkung gut bewährt. Be­sonders reichlich sollte dabei Möhrensaft getrunken werden, der viel Provitamin A enthält. Das »Hautvitamin« schützt die Haut und ver­bessert ihre Funktionen. Unterstützt wird die Kur durch stark auslei­tende Säfte wie Brennnessel-, Löwenzahn-, Birken- oder Selleriesaft. Um den Kurerfolg zu stabilisieren, ist anschließend auf eine vollwerti­ge Ernährung, viel Bewegung und reichlich Schlaf Wert zu legen.

Herzbeschwerden

Bärlauch • Knoblauch • Mistel • Weißdorn • Zwiebel

»Man ist so alt wie seine Gefäße«, weiß der Volksmund und meint, dass elastische, durchgängige Gefäße und ein funktionsfähiger Herz­muskel Garantie für ein langes Leben sind. Für alle Formen nervöser Herzbeschwerden, zur Pflege des überan­strengten, leicht geschwächten und alternden Herzes ist Weißdorn das entsprechende Mittel aus der grünen Apotheke. Seine Wirkstoffe sorgen für eine bessere Durchblutung des Herzmuskels und verhin­dern Symptome wie Schwindel, Konzentrationsschwäche oder Was­seransammlungen in den Beinen. Der Presssaft wird aus den Blättern und Blüten sowie dem Beerenmark gewonnen. Die Anwendungsbe­reiche der Mistel zu Heilzwecken sind breit gefächert. Sie wirkt aus­gleichend auf einen erhöhten Blutdruck; darüber hinaus beruhigt und entkrampft Mistelsaft.

[amazon asin=3850687805&template=image&chan=default]Die Säfte von Bärlauch, Zwiebeln und Knoblauch sind drei wirksame Geschütze zur Vorbeugung und Linderung altersbedingter Gefäßver­änderungen, wobei die stärkste Wirkung dem Knoblauch zukommen soll. Das Dreiergespann wirkt blutdruck- und cholesterinsenkend, es sorgt für elastische Gefäße, macht das Blut fließfähiger und beugt da­durch Blutgerinnseln vor.

Leistungsabfall

Rosmarin • Hafer

Bei einem vorübergehenden Leistungsabfall hat sich eine kurze Saft-fastenzeit zur Wiederherstellung der gewohnten Kondition gut be­währt: zur Regeneration nach einer nervösen Erschöpfung in der Fol­ge ungewohnter geistiger und körperlicher Anstrengung oder bei so genannter Frühjahrsmüdigkeit.

Als pflanzliches Therapeutikum ist bei einem Leistungsabfall Press­saft aus frischem Rosmarinkraut geeignet. Er stimuliert auf natürliche Weise Herz und Kreislauf, stärkt den oft niedrigen Blutdruck und wirkt ausgleichend auf das Nervensystem. Hafer stärkt die Nerven. Da während des Saftfastens morgens besser auf Schwarztee verzichtet werden sollte, ist belebender Rosmarintee das geeignete Frühstücks­getränk. Anregend wirkt auch südamerikanischer Matetee.

Leberfunktionsschwäche

Artischocke • Löwenzahn • Schwarzrettich

Pflanzensäfte, die Gerb- und Bitterstoffe enthalten, unterstützen die Entgiftungsleistung der Leber. Der Leberstoffwechsel und die Zell­atmung in der Leber werden verstärkt, die Produktion verdauungs-fördernder Gallenflüssigkeit wird angekurbelt.

Die Säfte leberstärkender Bitterstoffpflanzen wie Löwenzahn und Schwarzrettich, in erster Linie aber Artischocke, sind bei der Saftfas­tenkur besonders wirkungsvoll. Durch die kurmäßige Anwendung al­ler drei Pflanzenelixiere können sich sogar bereits geschädigte Leber­zellen regenerieren, der Bildung von Gallensteinen wird vorgebeugt. Daneben spielt ihre cholesterinsenkende Wirkung eine wichtige Rol­le, denn ein hoher Cholesterinspiegel zählt zu den Hauptverursa­chern von Gallensteinen und Arteriosklerose.

Schlafstörungen, Nervosität

Baldrian • Hafer • Johanniskraut • Melisse

Wenn man an den Saftfastentagen manchmal Einschlafschwierig­keiten hat, kann man sich mit Melissensaft behelfen. Ein Abend­spaziergang sorgt für erquickenden Nachtschlaf, ebenso Entspan­nungsübungen wie Meditation, Yoga oder autogenes Training. Beruhigend und nervenstärkend wirken auch die Presssäfte frischer Baldrianwurzeln und des frischen blühenden Haferkrauts. Ihre Ein­satzgebiete sind nervös bedingte Schlaflosigkeit, Erregungszustände und Herzklopfen. Hafersaft wirkt zudem schwach entwässernd und stärkt das Kreislaufsystem. Ihre beruhigende Wirkung entfalten diese Heilpflanzensäfte erst bei regelmäßiger Einnahme. Zwei Esslöffel zwei- bis dreimal täglich sowie vor dem Schlafengehen müssten es schon sein, um einen Erfolg zu gewährleisten. Oft sind depressive Verstimmungen die Ursache der Schlaflosigkeit. Hier hilft aus blühendem Johanniskraut gewonnener Pflanzensaft. Er ist darüber hinaus ein natürliches Nervenaufbaumittel, das sich bei nervösen Erschöpfungszuständen, Nervosität und nicht organisch be­dingten Nervenschmerzen bewährt hat. Auch Johanniskraut entfaltet seine volle Wirkung erst nach längerer Anwendung.

Schleimhautreizungen im Magen-Darm-Bereich

Kamille * Salbei * Schafgarbe * Spitzwegerich * Weißkohl

Regelmäßig eingenommener Kamillenpresssaft wirkt magenberuhi­gend, krampflösend und entzündungshemmend, ebenso die Säfte von Salbei und Spitzwegerich. Presssaft aus frischem Weißkohl wirkt darüber hinaus auch bei Reizungszuständen des Dünn- und Dickdarms. Bei starker Reizung sollte man dem Saft etwas Leinsamen-, Reis- oder Getreideschleim hinzufügen. Presssaft aus frischem Schafgarbenkraut lindert leichte krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich.

Tipp Magenempfindliche sollten Frucht- und Heilsäften stets etwas Schleim beimischen. Man nimmt dazu einen Esslöffel Leinsamen, ge­schrotete Getreidekerne bzw. Getreideflocken (Weizen, Hafer, Gers­te) oder Reis, kocht sie in einem Glas Wasser unter Rühren auf und siebt den entstandenen Schleim ab.

Unterleibsentzündungen

Birke • Bohne • Brennnessel • Petersilie • Kamille • Zinnkraut

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Saftfasten aufgrund seiner abwehr­stärkenden und umstimmenden Wirkung chronische Entzündungen (z. B. an Blase, Nierenbecken, Eierstöcken) zum Abklingen bringen kann. Unterstützend wirkt entzündungswidriger Saft aus frischem, blühendem Kamillenkraut. Zur Durchspülungstherapie bei einfachen Katarrhen der ableitenden Harnwege sind die Säfte von Birke, Bohne, Brennnessel, Petersilie und Zinnkraut gut geeignet.