Körperreinigung durch Panchakarma

Nach der Diagnose erfolgt die Behandlung in drei Phasen, bei der das »Panchakarma«, die Reinigungstherapie, im Vor­dergrund steht: Fein aufeinander abgestimmte Reinigungs­verfahren lösen Stoffwechselabbauprodukte, unverdaute Nahrungsbestandteile und umweltbedingte Gifte sanft und wirkungsvoll aus den Geweben und schleusen sie aus dem Organismus. Diese Abfallstoffe des Körpers entstehen durch eine zu schwache Verdauung im Magen-Darm-Trakt oder im Stoffwechsel der Zellen und Gewebe. Der Ayurveda nennt die Abfallprodukte »Ama«, was so viel wie »unreif« oder »unverdaut« heißt. Gärungs- oder Fäulnisprodukte im Darm beispielsweise bezeichnet der Ayurveda als Ama. Wird auf­grund mangelnder Verdauung Ama produziert, so verstopft es die inneren Kanäle, ähnlich wie Rohre durch Kalkan­sammlung langsam verstopfen. Die Verschlackung des Körpers gilt als eine der Hauptursachen für Krankheiten, allgemeines Unwohlsein und eingeschränktes Leistungsver­mögen. Ama wird aber auch auf psychischer Ebene gebil­det, als Folge »unverdauter« (unverarbeiteter) Gefühle, bela­stender Lebenserfahrungen und ungelöster Konflikte. Eine Panchakarma-Kur gliedert sich in mehrere, aufeinan­der aufbauende Abschnitte. Diese richten sich nach dem jeweiligen Konstitutionstyp und dem Gesundheitszustand. Insgesamt werden drei Kurphasen unterschieden:

Die Vorbehandlung

In dieser Phase werden die Doshas mobilisiert, damit sich Ama (Stoffwechselschlacken und Krankheitsstoffe) im Körper löst. Zur Mobilisierung verwendet der Ayurveda ölige Sub­stanzen, die zunächst innerlich zusammen mit einer leicht verdaulichen Diät verabreicht werden. Dabei nimmt der Pa­tient morgens entsprechend seinem Therapieplan gereinigtes Butterfett (Ghee) oder ein anderes ölendes Nahrungsmittel ein, die übrigen Mahlzeiten sind fettfrei. Nach ayurvedischen Überlieferungen dringt das Butterfett in die Zellen des Kör­pers ein und löst dort die Stoffwechselablagerungen heraus. Nach drei bis vier Diättagen und »innerer Ölung« wird ein ayurvedisches Abführmittel (Virechana) verabreicht. Es soll den Organismus von Ama befreien, das sich in dieser Zeit gelöst und im Verdauungstrakt angesammelt hat. Danach ist ein Ruhetag vorgesehen, an dem sich der Patient körperlich und seelisch auf ein neues Gleichgewicht einstellen kann.

Die Hauptbehandlung

Die anschließende Intensivbehandlung dient der vollständi­gen Ausscheidung von Schlackenstoffen durch eine Reihe ver­schiedener Anwendungsverfahren. Dabei werden wiederum hauptsächlich ölige Substanzen verwendet, diesmal aber vorwiegend äußerlich: Der Patient wird mit medizinischen Ölen massiert, was den Stoffwech­sel in der Muskulatur und im Bindegewebe aktiviert. Im Anschluss daran folgt eine Wärmebehandlung in einem Kräuterdampfbad, das die Sekretion von Haut und Schleim­häuten anregt.

Sämtliche Maßnahmen sind äußerst angenehm und wohltu­end, da schon während der Behandlungen gleichgewichts­fördernde Reize ausgelöst werden. So zählen beispielsweise die Massagen zu den schönsten Erlebnissen überhaupt: Sämtliche Handgriffe werden von zwei Therapeuten gleichzeitig ausgeführt. Außerdem stellt sich auch eine innere Reinigung »im Kopf« ein: Belastende Gedanken, Sorgen und Ängste verlieren an Bedeutung und lösen sich schließlich ganz auf, so dass sich schon während der Behandlungen ein umfassendes Ent­spannungsgefühl einstellt. Es sind also nicht nur die Maß­nahmen selbst, die Heilungsprozesse in Gang setzen. Auch die intensive und achtsame therapeutische Betreuung trägt dazu bei, dass Heilung im ganzheitlichen Sinne stattfindet.

Die Nachbehandlung

Die Nachbehandlungsphase beinhaltet eine ärztliche Abschlussuntersuchung. Bei ihr wird der Gesundheitszustand nach der Behandlung gründlich überprüft und mit dem vor­herigen Zustand verglichen. Außerdem erhält jeder Patient eine eingehende, seinem Konstitutionstyp entsprechende Gesundheits- und Ernährungsberatung für den Alltag. In dieser Phase erfolgt auch wieder die langsame Anpassung an die normale, typgerechte Ernährung.

 Einzelbehandlungen der Panchakarma-Kur

Abhyanga – »Liebende Hände«

Es handelt sich dabei um eine sanfte Ganzkörpermassage, die von zwei Therapeuten gleichzeitig ausgeführt wird. Es werden dabei ganz bestimmte medizinische Öle verwendet, die vom Ayurveda traditionell vorgeschrieben werden. Die 30 bis 60 Minuten andau­ernde Ölmassage wirkt intensiv entspannend und beruhigend.

Basti – Öl- und Kräutereinläufe

Einlaufe gehören im Rahmen einer Panchakarma-Kur zu den wichtigsten Anwendungen, um die aus dem Gleichgewicht gera­tenen Darmfunktionen wieder zu normalisieren. Während Einlaufe auf Ölbasis die Darmfunktion und das Vata im Körper beruhigen, regen wässrig-ölige Einlaufe mit bestimmten Pflanzenextrakten den Darm an, damit die Stoffwechselschlacken ausgeleitet werden können.

Carshan – die Trockenmassage

Bei dieser Ganzkörpermassage tragen die Therapeuten Hand­schuhe aus Rohseide. Diese Massageform aktiviert das Lymphsy­stem und den Kreislauf. Sie wird insbesondere für Kapha-Typen empfohlen.

Pindasveda – Massage mit zwölf Händen

Dies ist eine sehr aufwendige, dafür aber auch höchst entspan­nende Ganzkörpermassage: Warme Kräuterreis-Packungen und medizinische Öle werden von sechs Therapeuten gleichzeitig in die Haut gerieben. Pindasveda-Massagen finden besonders bei Nerven- und Muskellähmungen Anwendung.

Pizzichilli — die »königliche Therapie«

Bei dieser sehr angenehmen Anwendung wird eine Ganzkörper-Ölmassage mit einer Wärmebehandlung kombiniert: Etwa eine Stunde lang fließt warmes Sesamöl über den Körper und wird von zwei Masseuren mit synchronen Handgriffen einmassiert. Die Kombination von Wärme und Berührungsreizen regt den Stoffwechsel von Haut und Organen intensiv an und bewirkt eine optimale Tiefenentspannung.

Shirodhara – der warme Ölguss

Hier fließt ein steter, körperwarm temperierter Ölstrahl nach einem festgelegten Muster über die Stirn. Die Behandlung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten, und ihre Wirkung ist sehr umfassend: Das vegetative Nervensystem wird beruhigt, so dass viele stressbedingte Befindlichkeitsstörungen wie Nervosität, Schlafstörungen oder vegetative Dystonie behoben werden können.

Svedana – das Kräuterdampfbad

Neben den vorher genannten Behandlungen mit Öl spielen bei den ayurvedischen Reinigungskuren Wärmeanwendungen eine wichtige Rolle. Die Behandlung mit Wärme wird meist im Anschluss an eine Ganzkörpermassage durchgeführt. Die Wärme kann, je nach Konstitutionstyp und Gesundheitszustand, trocken oder feucht sein. Die starke Durchwärmung des Körpers sorgt dafür, dass die gelösten Giftstoffe vom Blut abtransportiert und teilweise ausgeschwitzt werden. Während der traditionellen Wärmebehandlung bleibt der Kopf frei und wird ständig durch nasse Tücher gekühlt.

Udvarthana – die Reibungsmassage

Auch bei dieser Behandlung wird der ganze Körper mit gleichzeitig ausgeführten Handgriffen massiert, diesmal jedoch ohne gleitendes Massageöl, sondern mit einem Brei aus Getreide, Öl und Kräutern. Durch diese Kräuterpaste entsteht beim Massieren eine intensive Reibung, die den Zell- und Organstoffwechsel sowie den Kreislauf anregt. Sie hat eine stark entgiftende Wirkung, weshalb sie insbe­sondere bei Patienten angewandt wird, deren Doshas durch Ama-Ablagerungen stark aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Vishesh – Massage mit stärkerem Druck

Bei dieser Anwendung werden die Patienten ebenfalls von zwei Therapeuten mit gleichzeitig ausgeführten Handgriffen massiert, jedoch mit stärkerer Druckausübung. Die intensiveren Grifftechni­ken bewirken, dass auch in tieferen Gewebeschichten eine Anregung der Blut- und Lymphzirkulation stattfindet, und so Ama (die Stoff­wechselschlacken und sonstigen Gifte) besser abtransportiert wird.

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Spezial-Anwendungen der Panchakarma-Kur

Nasya – Die Nasenbehandlung

Diese sehr spezielle, aufwendige Therapie wird insbesondere bei Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen (zum Beispiel chronische Nasennebenhöhlenverstopfung, Mittelohrentzündung), aber auch bei Spannungskopfschmerzen und Migräne sowie bei Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich angewandt. Die Anwendung kann nur von einem darin ausgebildeten Therapeu­ten durchgeführt werden, da sie aus einer sehr komplexen Abfolge fein aufeinander abgestimmter Behandlungsschritte besteht.

Netra Tarpana – Die Augenbehandlung

Dabei handelt es sich um eine Anwendung mit ayurvedischen Ölen und Heilkräutern zur lokalen Behandlung von chronischen und akuten Erkrankungen der Augen.

Shirobasti – Der Kopfeinlauf

Darunter ist ein warmes Ölbad für den Kopfbereich zu verstehen, das sehr tiefgreifende Wirkungen bei schweren neurologischen Erkrankungen entfaltet. Diese Anwendung wird beispielsweise als Rehabilitationsmaßnahme nach einem Schlaganfall durchgeführt.