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Kritische Punkte zum Heilfasten

Schlacken gibt es nicht
Eine besondere Sache ist das sogenannte „Entschlacken”. Das klingt geradezu wunderbar. Der Körper steckt voller Schlacken oder Schlacke, und Fasten befreit davon. Bisher ist es jedoch noch niemals gelungen, Schlackenstoffe im menschlichen Körper nachzuweisen. Vor diesem Hintergrund ist also auch keine Entschlackung möglich. Dass der Körper über ein sehr gut funktionierendes Entgiftungssystem verfügt, ist vielen Menschen einfach nicht klar. Viele Menschen haben ja auch Angst vor der inneren Vergiftung, wenn ihr Stuhlgang nicht täglich erfolgt. Und darauf setzen die Marketingstrategen der Fastenindustrie.
Der Stoffwechsel führt auch nie zur Bildung von „Schlacken”, die während des Fastens angeblich abgebaut werden sollen, weder in den Gefäßen noch im Darm. Stoffwechselendprodukte sind Wasser, Kohlendioxid oder Harnstoff, die normalerweise ausgeschieden werden. Der Körper entgiftet sich selbst, sonst hätten wir in der Entwicklung nicht überlebt. Ohne funktionstüchtige Entgiftungswirkung von Leber und Niere gäbe es den Menschen überhaupt nicht. Er wäre nicht überlebensfähig.
Fasten hat jedoch nichts mit Entgiftung, sondern mit Vergiftung zu tun. Durch den Abbau von Fettgewebe kommt es zur massiven Freisetzung von fettlöslichen Giftstoffen. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, dass Fasten den Körper vergiftet wäre aber auch wieder übertrieben. Aber in jedem Fall führt Fasten zur Übersäuerung. Das lässt sich leicht durch Urinteststreifen, die es in jeder Apotheke gibt, überprüfen und beweisen. Beim Fasten werden Giftstoffe freigesetzt.

Wissenschaftliche Beweise fehlen
Ursprünglich hatte Fasten religiöse Hintergründe. Fasten zur Gesundheitsförderung gab es nicht. Es sollte vielmehr die innere Einkehr und die Besinnung auf das Wesentliche (die Religion) fördern. Während aber das Fasten mit religiösem Hintergrund nicht etwa eine Nulldiät bedeutet, sondern vielmehr die Meidung von „Liebgewonnenem” und Genussgerichten, geht es beim gesundheitlichen Heilfasten um eine minimale Aufnahme von Nahrung. Das wird mit verschiedenen Methoden der Naturheilkunde kombiniert (Glaubersalz, Heublumen usw.).
In den deutschsprachigen Ländern hat sich das Fasten in den vergangenen 150 Jahren zu einer alternativen „Heilmethode” entwickelt. Das Angebot reicht von Klinikaufenthalten, über Fastenwandergruppen bis zu Fastenbüchern. Die Fastenzeit reicht insbesondere von Januar bis April, ist jedoch ganzjährig im Angebot.
Obwohl Fasten eine relativ lange Tradition hat, fehlen die wissenschaftlichen Belege weitgehend, und führende Wissenschaftlicher bezeichnen es als gefährliche „Hokuspokus-Medizin”. Die Fastenlobby behauptet, dass Fasten gesundheitsförderlich ist. Diese Wirkungen sind jedoch nicht publiziert und halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.

Die positive Wirkung des Fastens ist wissenschaftlich nicht belegt.
Erschreckend ist, dass es eine schier unübersehbare Flut von medizinischen Daten und Studien gegen das Fasten, aber praktisch keine positiven Ergebnisse, die sich für das Fasten aussprechen, gibt. Viele im Rahmen des Fastens immer wieder ausgesprochenen Worte (Heilfasten, Entschlacken, Entgiften, Darmreinigung, geistige Reinigung, Fäulnis oder Fastenkrise) sind eher esoterisch als wissenschaftlich begründet. Wäre Fasten ein Arzneimittel, wäre es durch die vielfältigen Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen entweder verboten oder zumindest verschreibungspflichtig.
Das Problem: Die Fastenliteratur sieht dem Fasten immer positiv gegenüber, lediglich die Fachliteratur und Wissenschaftler warnen davor. Fasteninteressierte werden jedoch von den Fastenautoren eingelullt mit schwammigen Aussagen, Heilversprechen und unwissenschaftlichen Hinweisen, die sich schließlich praktisch immer nur als Behauptung herausstellen, die nicht zu beweisen ist.
Grundlagen sind die Standardwerke der Physiologie, Pathophysiologie, der Diätetik, der Ernährungsmedizin sowie wissenschaftliche Studien, die in angesehenen Fachzeitschriften publiziert sind. Alle diese Druckwerke kennt jeder Fastenarzt. Inhaltlich scheinen sie Fastenärzte aber zu ignorieren. Sie ignorieren auch die Aussagen von allen Adipositasexperten, die in der Deutschen Adipositas-Gesellschaft zusammengeschlossen sind. Alle wissenschaftlichen Leitlinien zum Thema Ernährung und Gewichtsreduktion warnen ausdrücklich vor den Risiken des Fastens. In der Regel wird totales Fasten streng abgelehnt. In jedem Falle wird davor gewarnt.

Warum fasten Menschen?
Gefastet wird in der Regel aus gesundheitlichen oder aus religiösen Motiven heraus. Die meisten Menschen in Deutschland fasten aus gesundheitlichen Gründen, da sie sich zu schwer fühlen oder tatsächlich zu schwer sind. Leider fasten sich viele Menschen von Jahr zu Jahr immer dicker: Ehemals fitte und gesunde Menschen werden durch wiederholte „Fastenkuren” zu dicken und kranken Menschen. Vor diesem Teufelskreis möchte dieses Buch warnen und den Menschen Informationen liefern, die zu einer freien Entscheidung führen können, ob sie fasten möchten oder nicht. Zuerst müssen aber die verschiedenen Formen des Fastens voneinander abgegrenzt werden, denn fasten ist nicht gleich fasten. Zudem ist nicht jede Form des Fastens abzulehnen oder gar lebensgefährlich.

Nicht jede Form des Fastens ist gefährlich.
Das religiöse Fasten geht in der Regel nicht mit einer Mangelernährung einher, sondern lässt lediglich einige Lebensmittel (beispielsweise Fleisch) und Alkoholika oder andere Genussmittel und -gifte aus. Oder es darf erst zu bestimmten Zeiten – und dann zumeist alles – gegessen werden. Das ist sicher nicht gefährlich, und das folgende Kapitel „Geschichte des Fastens” zeigt auf, dass es sinnvoll sein kann, eine bestimmte Zeit auf Lebensmittel oder erst zu einer bestimmten Zeit Lebensmittel zu essen. Bedenklich und teilweise sogar (lebens-)gefährlich ist paradoxerweise das medizinische Fasten, das von Kliniken oft als Heilfasten angeboten wird.

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