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Ölziehen – Physische und geistige Grundlagen

Der Mund- und Rachenraum

Der Mund und der dahinter liegende Rachenraum sind Kör­peröffnungen, deren Aufgabe auf physischer Ebene sowohl die Aufnahme – von Nahrung und Atemluft – als auch die Absonderung (Ausspucken) und Abwehr ist. Mund, Nase und Rachen sind Eintrittspforten für Krankheitserreger aus Luft und Nahrung und damit als besondere Gefahrenzonen des Körpers durch das Abwehrsystem besonders geschützt.

Der Mund, speziell die Zunge, dient zudem dem Spre­chen und damit dem Selbstausdruck und der Kommuni­kation. Der Rachen ist mit zuständig für die Tonbildung. Eine Schleimhautschicht kleidet die Mundhöhle und den Rachenraum aus.

Mund und Rachen sind in vielerlei Hinsicht ein Tor zu den inneren Organen des Körpers. Vor allem die Tra­ditionelle Chinesische Medizin nutzt bei Diagnose und Behandlung – zum Beispiel bei der Akupunktur – diese Zusammenhänge (siehe dazu die Übersicht zu den Mund-/ Rachenraum zugeordneten Funktionskreisen). Aus dem Zu­stand der Zunge lassen sich beispielsweise Rückschlüsse auf das Befinden eines Menschen ziehen; die Zungendiagnose ist besonders von der Traditionellen Chinesischen Medi­zin zu einem ausgefeilten Instrument entwickelt worden. In der ganzheitlichen Zahnmedizin geht man davon aus, dass Zahnbeschwerden stets auch auf Störungen in dem Organ(system) hinweisen, das mit dem betroffenen Zahn verbunden ist.

Mund

Der Mund ist dazu ausgestattet, mit Hilfe der Lippen und Zähne Nahrung aufzunehmen und zu zerkleinern, sie ein­zuspeicheln und damit zu einem gewissen Grad vorzuverdauen, um sie dann mit Unterstützung der Zunge beim Schlucken dem Magen einzuverleiben. Die über den Mund aufgenommene Nahrung ist einer der wichtigsten äußeren Faktoren, durch die der Körper beeinflusst wird. Dement­sprechend sind die Möglichkeiten groß, über die Art der Nahrung die Selbstheilungsmechanismen des Körpers an­zuregen und zu unterstützen.

Der Mund ist gleichzeitig eines der wichtigsten Aus­drucksorgane des Menschen, wobei nicht nur die verbalen Mitteilungen, die aus ihm herauskommen, Signale sind, sondern auch seine Gestalt.

Speicheldrüsen

In der Schleimhaut der Mundhöhle befinden sich die Spei­cheldrüsen. Unterschieden wird zwischen den kleinen Spei­cheldrüsen, deren Ausgänge in der Schleimhaut von Lip­pen, Wangen, Gaumen und Zunge liegen, und den großen Speicheldrüsen, das sind die Ohrspeicheldrüse, die Unter­kieferspeicheldrüse und die Unterzungenspeicheldrüse. Die Ohrspeicheldrüse ist die größte der Speicheldrüsen; sie liegt vor dem Ohr am Unterkiefer, durchzieht mit ihrem Kanal den Wangenmuskel und mündet in Höhe des zweiten obe­ren Backenzahnes in die Mundhöhle. Die Speicheldrüsen werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert und pro­duzieren beim Erwachsenen täglich mehr als einen Liter Speichel.

Neben dem Blut ist der Speichel ein ganz besonderer Saft. Er macht die zerkaute Nahrung gleitfähig und zum Herunterschlucken bereit; daneben ist er für die Vorverdau­ung zuständig. In der Traditionellen Chinesischen Medi­zin und der Volksmedizin der indianischen Völker ist der Speichel durch seine antibakteriell wirkenden Bestandteile eine Arznei. Aber auch hierzulande kennt man noch die Anwendung von Speichel bei Verletzungen. So wird er bei kleineren Schnittwunden, Stichen oder Prellungen auf die betroffene Stelle gerieben.

Man spuckt sich heute nur noch als symbolische Geste in die Hände, um sich für das Anpacken einer größeren Auf­gabe bereitzumachen und zu schützen. Wir denken nicht mehr daran, dass das einmal ganz real ein Schutz bei Ver­letzungen der Handflächen war. Wir kennen in diesem Zu­sammenhang auch die Geste, sich Glück zu wünschen und dabei auszuspucken. Das Ausspucken von Speichel und Schleim, wie es Sportler, vor allem Fußballspieler, beim Wettkampf so hingebungsvoll tun, ist allerdings eher ein Reflex, um Aggression und Spannung loszuwerden. Demge­genüber assoziieren wir auch auf der symbolischen Ebene, dass mit Speichel Lust verbunden ist, denn uns läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn wir etwas Appetitliches – welcher Natur auch immer – sehen.

Zunge

Die Zunge ist ein von Schleimhaut überzogener Muskel und ein wichtiges Werkzeug beim Kauen, Saugen, Lutschen und Herunterschlucken. Daneben spielt die Zunge eine ent­scheidende Rolle beim Sprechen und steht nach der Tradi­tionellen Chinesischen Medizin mit dem Herz in Verbin­dung. Auch im Westen wird dieser Zusammenhang – wenn auch nur symbolisch – hergestellt, wenn wir sagen, dass jemand »sein Herz auf der Zunge trägt«.

Die chinesische Medizin teilt die Zunge darüber hinaus noch in bestimmte »Reflexzonen« ein. Eine Übersieht dazu finden Sie in dem Kasten mit den Zuordnungen von Zun­genbereichen und inneren Organen. Ted J. Kaptchuk, dessen Einführungsbuch diese Informationen entnommen sind, weist jedoch darauf hin, dass die genannten Zuordnungen nicht absolute Geltung haben, sondern als Hinweise ver­standen werden sollten.

Auf der Zunge befinden sich zahlreiche Geschmackspapillen, die dem Ertasten und Schmecken dienen und mit denen Temperatur- und Schmerzempfindungen registriert werden. Die Zunge unterscheidet beim Schmecken zwi­schen den Qualitäten Süß, Salzig, Sauer und Bitter.

Am Zungengrund befindet sich die Zungenmandel, die Teil des lymphatischen Gewebes ist, das im Mund-/Rachenraum einen starken Abwehrring gegen Krankheitskeime bil­det. Dazu weiter unten mehr. Auf symbolischer Ebene verbinden wir mit der Zunge (lat: lingua) Sprache, Ausdrucksweise, Kommunikation und Unterscheidungskraft. Außerdem ist sie das Tor zu un­serem Herzen.

Zähne und Zahnfleisch

Wir Menschen kommen – bis auf seltene Ausnahmen -zahnlos auf die Welt. Als Baby saugen wir ja auch anfangs nur Milch und erhalten erst später feste Nahrung zu essen, die wir mit den Zähnen abbeißen, zerkleinern und zermahlen müssen, um sie gut schlucken und verdauen zu können. Ab dem sechsten Lebensmonat bis etwa zum zweiten Le­bensjahr wächst das Milchgebiss, das dann ab dem sechs­ten Lebensjahr bis etwa zum zwölften Lebensjahr durch das Dauergebiss ersetzt wird. Es besteht beim erwachsenen Menschen aus insgesamt acht Schneidezähnen, vier Eckzäh­nen, acht Backenzähnen und zwölf Mahlzähnen. Die Krone, das heißt der sichtbare Teil des Zahnes, ist mit Zahnschmelz überzogen, der härtesten Substanz des Körpers. Der Zahn­hals markiert den Übergang zur Zahnwurzel, die im Kiefer verankert ist. Das Zahnfleisch schützt den Zahnhals.

Nach den Erfahrungen der Ganzheitsmedizin steht je­der Zahn in Wechselbeziehung zu einem inneren Organ. Die unten vorgestellte Liste bezieht sich auf die Zähne einer Kieferhälfte.

»Die Zähne zeigen« und »sich durchbeißen« – beides ist immer ein Ausdruck von Angriffslust, Wehrhaftigkeit und Selbstbehauptung. Zahnprobleme weisen dementspre­chend meist auf fehlende Lebenskraft und/oder Angst vor Aggression hin. Auch Erkrankungen des Zahnfleisches, das den Zähnen Halt gibt und sie schützt, lassen sich in diesem Sinne deuten. Aggression ist das große Thema unseres von Karies und Parodontose gefährdeten »Waffenarsenals« (R. Dahlke) im Mund.

Rachen

Der Rachen ist ein an der Schädelbasis aufgehängter Schlauch, der in drei Abschnitte unterteilt wird. Mit seinem oberen Teil mündet er in die Nasenhöhle, mit dem mitt­leren in die Mundhöhle und mit dem unteren über den Kehlkopf in die Speiseröhre. Der Rachen ist demnach ein Durchgangskanal sowohl für die Atemluft als auch für die Nahrung. Daneben werden im beweglichen Rachenschlauch verschiedene Vokallaute unserer Sprache gebildet.

Im Rachen finden wir das erste massive Bollwerk aus lymphatischem Gewebe (Waldeyerscher Rachenring) gegen Krankheitserreger, die über die eingeatmete Luft oder die aufgenommenen Speisen in den Körper eingedrungen sind. Fast die Hälfte aller Lymphknoten des Abwehrsystems sind in der Hals-/Rachenregion konzentriert.

Auf symbolischer Ebene spiegelt uns der Rachen, wie wir mit den Themen Einverleibung und Abwehr umgehen. Manchmal können wir »den Rachen nicht voll genug krie­gen«, dann wieder wird uns »der Rachen vollgestopft«, ohne dass wir uns dagegen zur Wehr setzen. Anhand des Rachens und seiner Beschwerden können wir uns darüber klar wer­den, was wir in uns aufnehmen und dann schlucken wollen und was wir als ungenießbar besser wieder ausspucken.

Mandeln

Die herausragenden »Polizeistationen« (R. Dahlke) im lym­phatischen Abwehrring des Rachenbereiches (Waldeyerscher Rachenring) sind die Mandeln. Es handelt sich dabei um lymphatisches Gewebe, wobei zwischen Gaumenmandeln, Rachenmandel und Zungenmandel unterschieden wird. Die beiden Gaumenmandeln befinden sich seitlich des Über­gangs von der Mund zur Rachenhöhle. Die Rachenmandel sitzt oben am Rachendach hinter dem Naseneingang zur Rachenhöhle. Die Zungenmandel, auch Zungenbälge ge­nannt, liegt am Zungengrund. Darüber hinaus befindet sich lymphatisches Gewebe in der seitlichen Rachenwand (Sei­tenstrang), das sich im Bereich der Ohrtrompete (Verbin­dung zwischen Mittelohr und Rachen) konzentriert.

Die Aufgabe der Rachenmandeln besteht darin, durch die Aktivierung der spezifischen Abwehr möglichst frühzei­tig die eingedrungenen Krankheitserreger anzugreifen. Al­lerdings können sich an den Gaumenmandeln selbst Bakte­rien festsetzen und wiederholt Entzündungen auslösen. Im übertragenen Sinn sind die Mandeln Wachposten, die Unbefugten den Eintritt verwehren. Sie gut zu ölen und zu schmieren kann also in jeder Hinsicht nur von Vorteil sein.

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