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Perspektiven des Tabakanbaus

Der hohe Arbeitsaufwand für Setzen, Ernten und Trocknen des Tabaks sowie die kleinbäuerliche Struktur des Tabakanbaus ermöglicht die Pro­duktion in der »Dritten Welt«. Doch der Standortvorteil ist nicht un­bedingt von Dauer. Mechanisierung des Anbaus, rationalisierte Ernte- und Trocknungsverfahren und moderne Technologien der Tabakverarbeitung in den Industrieländern machen ihn allmählich zunichte. Der typische Ta­bakbauer von morgen wird voraussichtlich nicht mehr der Kleinbauer sein, sondern ein Großfarmer in einem hochmechanisierten Betrieb.

Hochtechnisierte Erntemaschinen, wie sie heute schon in den USA über die Tabakfelder fahren, reduzieren den Arbeitskräftebedarf bei der Ernte um 85 Prozent; darüber hinaus hat das Bulk-Curing den Arbeitsaufwand für das Trocknen der Ernte gegenüber dem Flue-Curing halbiert. Doch diese Erntemaschinen arbeiten erst auf Tabakfarmen ab rund 12 Hektar Größe wirtschaftlich, die durchschnittliche Anbaufläche eines Tabakbau­ers beträgt aber nur ein Zehntel oder weniger. Die Mechanisierung hat in den USA bereits in den sechziger Jahren einen ersten Konzentrationsschub ausgelöst: Zwischen 1964 und 1974 sank die Zahl der Tabakbauern im US-Staat Georgia von 15 027 auf 6 408, während die durchschnittliche Anbaufläche pro Farm sich etwa in North Carolina von 5 auf 11,5 Hektar vergrößerte.

Trotz starken Lohnanstiegs gelang es den US-Tabakfarmern, den Anteil der Arbeitskosten im Laufe der sechziger und siebziger Jahre von 60 auf 30 Prozent zu drücken. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, die folgenschwersten Innovationen stehen noch bevor. In Zukunft wird man die Tabakblätter – wie heute schon bei Burley und Maryland – nicht mehr einzeln in mehreren Erntegängen pflücken, sondern die ganze Pflanze. Das aufwendige Trocknen wird wegfallen, ebenso das Trennen von Blatt­gut und Rippe: Der noch grüne Tabak wird dann zerhackt und in Wasser gelegt. Diesem Brei wird man Mikroben beigeben, die die beim Trocknen und der Fermentation ablaufenden biochemischen Umwandlungen ver­kürzen. Aus dem so behandelten Tabak werden dann spezielle Maschinen Homogenized sheet tobacco in der Stärke von Tabakblättern machen. Man wird unerwünschte Stoffe noch wirksamer als heute entfernen und syn­thetische Aromata nach Belieben beimischen. Für den Geschmack werden nicht mehr in erster Linie die Pflanze und der Bauer zuständig sein, son­dern die Chemiker in den Labors der Zigarettenindustrie.

Homogenized sheet tobacco wird schon heute aus ökonomischen Grün­den aus den Tabakabfällen hergestellt, die bei der Zigarettenproduktion entstehen. Es ist der Stoff, aus dem die Zigaretten von morgen sein werden – vor allem die leichten, schadstoffarmen, denen die Zukunft gehört.

»Während die Entwicklungsländer sich immer noch abmühen, die Me­thoden und die Qualität ihrer Tabakproduktion auf einen Standard zu heben, der bis vor kurzem noch als vorbildlich galt, sind die hochent­wickelten Länder daran, die Spielregeln von Grund auf zu ändern… Für den Bauern werden extrem hohe Kapitalkosten für technische Aus­rüstungen anfallen, die im neuen Produktionssystem unverzichtbar sein werden. Sie werden wahrscheinlich nur in Ländern zu verkraften sein, in denen die Bauern Zugang zu viel Kapital haben… Die Tabak­produktion der Zukunft wird nicht nur Produktionsschritte mechani­sieren, sie wird viele davon gänzlich überflüssig machen.«

»Die Einführung einer neuen Technologie ist eine politische Entschei­dung, und die Tabakkonzerne haben sich bisher als gewiefte politische Strategen erwiesen. Die Industrie wird die Einführung der neuen Tech­nologien zeitlich sorgfältig planen, um die Auswirkungen zu minimie­ren und die Bauernlobbies ihrer Stammländer nicht unnötig zu verärgern. Das gilt vorab für die USA, wo die Kleinbauern ebenfalls stark betroffen sein werden. Doch der Trend ist klar, und er ist nicht zu­gunsten der Dritten Welt.«

»Heute besteht allgemein Einigkeit darüber, dass ein Ertrag von 2 Ton­nen pro Hektar die wirtschaftliche Untergrenze für den Tabakanbau ist. Wenn dem so ist, sind die Aussichten der meisten afrikanischen Tabak­produzenten düster. Nur wenige Länder erreichen diese Grenze, und noch weniger übertreffen sie. Wahrscheinliche Ausnahmen sind Sim­babwe und Südafrika.«

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