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Psychische Ursachen für Schlafstörungen

Psychische Probleme sind wohl die häufigste Ursache für Schlafstörun­gen. Sehr viele Menschen reagieren auf plötzlich auftretende Lebens­probleme oder bevorstehende Belastungen (z. B. Prüfungen) mit Ein­schlafschwierigkeiten. Zu Schlafstörungen werden derartige Probleme, wenn sie länger andauern und auch unabhängig vom einzelnen Anlass auftreten. Gestörte oder unbefriedigende Sexualität kann zu Schlaf­problemen führen. Genauso können umgekehrt Schlafstörungen se­xuelle Schwierigkeiten herbeiführen.

Es ist möglich, dass sich der Betroffene überhaupt nicht der psychischen Ursachen seiner Schlafprobleme bewusst ist. Typisch für die Reaktion auf psychische Belastungen ist die Art der Schlafstörungen: Man schläft schlecht ein, quält sich herum. Wenn man dann allerdings einschläft, schläft man in der Regel gut. In all diesen Fällen sind

– Gespräche mit Bekannten über die Probleme, die einen beschäfti­gen,

– Entspannungsübungen

– Psychotherapie

– oder auch Naturheilmittel die sinnvollsten Behandlungsformen.

Zwei Fallbeispiele sollen zeigen, wie vielschichtig psychische Belastun­gen sein können, die dann zu Schlafstörungen führen: Walter Bauer, ein 45-jähriger Arbeiter in Wien, führt ein typisches Durchschnittsleben. Seit 20 Jahren verheiratet, zwei Kinder, Sozialwoh­nung und ein schönes Auto. Er ist gesund. Plötzlich beginnen jedoch die Nächte lang zu werden. Herr Bauer liegt stundenlang wach, quält sich herum, ist dann am Tag unwirsch, schlecht aufgelegt und müde. Er schaffe die Arbeit nicht mehr, erzählt er manchmal knapp zu Hause, wenn er später als üblich vom Betrieb kommt, was neuerdings immer häufiger vorkommt. Herr Bauer hat derlei noch nie erlebt und wartet zunächst darauf, dass dieses Problem von selbst vorübergeht. Erst nach einigen Monaten wissen er und seine Frau nicht mehr weiter. In der Psychotherapie, die er dann besucht, stellt sich nach und nach heraus:

Er war vor einigen Monaten in seinem Betrieb vor die Alternative ge­stellt worden, entweder auf einen Arbeitsplatz zu wechseln, der mit grö­ßeren Belastungen und mehr Überstunden verbunden ist, oder das Ri­siko einer Kündigung einzugehen. Er tat, was er tun musste, erzählte jedoch zu Hause nichts davon. Abends war er gereizt und müde. Er hatte Schuldgefühle, weil er seine Familie vernachlässigte. Das hat zu den Einschlafproblemen geführt.

Die 37-jährige Waltraud Wagner hat zu arbeiten aufgehört, als das er­ste Kind unterwegs war. Jetzt sind es zwei und sie sind eigentlich keine Kinder mehr. Der Sohn ist 18, die Tochter 15, beide stehen auf eigenen Beinen und wollen das auch. Sie haben den gemeinsamen Haushalt ver­lassen. Der Vater ist ein relativ erfolgreicher Angestellter und nebenbei auch noch Funktionär in einem Sportverein.

Frau Wagner ist allein. Sie leidet unter dem Gefühl, nicht mehr ge­braucht zu werden und auch darunter, zu altern. Sie kann schlecht ein­schlafen und quält sich stundenlang wachliegend im Bett. Erste Versu­che, einen Arbeitsplatz zu finden, scheitern. Die Schlafstörungen von Frau Wagner gehen erst vorüber, als sie wieder eine Anstellung findet und am Arbeitsplatz das Gefühl hat, wieder gebraucht zu werden.

Depressionen

Depressionen führen zu nächtlichem Wachliegen. Der Betroffene schläft – anders als bei sonstigen Störungen – in der Regel gut ein, manchmal sogar besser als zu gesunden Zeiten. Dann wacht er auf und quält sich. Relativ oft äußern sich Depressionen fast ausschließlich in Schlafstörungen – andere »typischere« Symptome wie Antriebslosigkeit und Selbstmordgedanken müssen nicht immer vorhanden sein. Fachleute unterscheiden zwischen »reaktiven« oder seelisch bedingten, durch Konflikte ausgelösten Depres­sionen und Depressionen ohne ersichtlichen psychogenen Grund. Im zweiten Fall sollte auf jeden Fall abgeklärt werden, ob eine der folgen­den Faktoren als Auslöser in Frage kommt:

– Schilddrüsenüber- oder -Unterfunktion

– Alkohol

– Mittel gegen hohen Blutdruck, die Reserpin enthalten

– Glukokortikoidhaltige Mittel

– Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Diese Ursachen sollten durch eine entsprechende Behandlung oder Ver­meidung der Verwendung solcher Mittel ausgeschaltet werden. Grundsätzlich ist bei reaktiven Depressionen die Psychotherapie die sinnvollste Behandlungsmethode. Bei Depressionen ohne bekannte Ursache (die Psychiater sprechen hier von endogenen Depressionen) sind heute Schlafentzug und Antidepres­siva die bevorzugten Behandlungsmethoden. Allerdings gibt es auch hier spezielle Psychotherapien, die nachweislich helfen.

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