Rheumatoide Arthritis

Im deutschsprachigen Raum leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung an Rheumatoider Arthritis (chro­nischer Polyarthritis). Damit stellt sie die häufigste Form der entzünd­lichen Arthritis dar. Die Ursache ist zwar nicht bekannt, man vermutet aber, dass es sich um eine Autoim­munkrankheit handelt, d. h. der Körper versucht, körpereigene Strukturen zu bekämpfen. Bislang liegen dafür allerdings noch keine eindeutigen Beweise vor.

Die Rheumatoide Arthritis kann Menschen jeden Alters treffen, tritt jedoch häufig erst in fortgeschritte­nerem Alter auf. Normalerweise sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung mit permanenter Entzündung der Gelenke. Mit der Zeit führt sie zu irreversiblen Gelenkschäden.

Risikofaktoren

Geschlecht, genetische Veranlagung und Alter sind die wichtigsten Risi­kofaktoren bei der Rheumatoiden Arthritis. Weitere Faktoren sind Rauchen, Fettleibigkeit, frühere Bluttransfusionen sowie eine ver­kürzte Periode der Fruchtbarkeit bei Frauen mit niedrigem Sexualhormon Spiegel. Als weitere Risiko­faktoren wurden Kaffeekonsum und Verletzungen diskutiert, doch hierfür liegen noch keine schlüs­sigen Untersuchungen vor.

GESCHLECHT Ein wesentlicher Risiko­faktor ist das Geschlecht – fast drei Viertel aller Patienten mit Rheuma­toider Arthritis sind Frauen. Neue Studien haben ergeben, dass pro 100000 Menschen jährlich 36 Frau­en und 14 Männer erstmals an Rheu­matoider Arthritis erkranken. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Neuerkrankungen stark an, ins­besondere bei Männern.

GENETISCHE VERANLAGUNG Die Gene spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Rheumatoider Arthritis. Zu fast 60 Prozent ist eine entsprechende Veranlagung genetisch bedingt. Die Krankheit steht in engem Zusam­menhang mit dem Vorhandensein eines Proteins, dem HLA-DR4, auf der Oberfläche der weißen Blut­körperchen (Leukozyten). Die genetische Veranlagung wirkt sich wohl hauptsächlich auf die Schwe­re der Krankheit aus, weniger auf die Anfälligkeit an sich.

ALTER Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen. Früher ging man davon aus, dass sie bei jungen Erwachsenen einsetzt, im Alter von 20 bis 45 Jahren. Heute liegt das Durchschnittsalter für Ersterkran­kungen aber bei 60 Jahren.

Was geschieht bei der rheumatoiden Arthritis?

Die Innenhaut eines oder mehrerer Gelenke entzündet sich und verur­sacht Schmerzen, Schwellung und Gelenksteifigkeit. Im Frühstadium sind von der Schwellung nur die Weichteile betroffen. Es kann zu einem Anstieg der Gelenkflüssig­keit kommen (Gelenkerguss). Steifigkeit ist ein Merkmal aller Formen der entzündlichen Arthri­tis und tritt meist morgens auf. Sie kann ein bis zwei Stunden andauern, in schweren Fällen sogar den ganzen Tag. Die Ent­zündung breitet sich auf die Seh­nenscheiden aus.

Mit fortschreitender Krankheit bleibt die Entzündung weiter be­stehen und führt zu irreversiblen Gelenkschäden. Je ausgeprägter die Entzündung, desto größer die Schä­digung. Mit wachsender Schädigung des Gelenks kommt es zu Schwel­lungen, Deformierungen und zu einem allmählichen Gelenkversa­gen. Durch den Mangel an Bean­spruchung sowie als Folge der allge­meinen entzündlichen Erkrankung werden die Muskeln schwächer. Die Rheumatoide Arthritis beginnt unterschiedlich. Meist setzt sie langsam ein, mit in Schüben ver­laufenden Schmerzen und Schwel­lungen einiger Gelenke, vor allem der Finger, Handgelenke und Füße. Die Symptome verschlim­mern sich zunehmend, bis der Betroffene merkt, dass mit seinen Gelenken etwas nicht stimmt. Bei etwa 20 Prozent der Patienten setzt die Krankheit plötzlich ein: von einem Tag auf den anderen kommt es zu geschwollenen, schmerz­haften und steifen Gelenken.

[amazon asin=3891890109&template=image]Bei manchen Menschen beginnt die Krankheit eher untypisch; bei­spielsweise ist nur ein Gelenk betroffen. Bei anderen tritt die Krankheit über Jahre hinweg immer wieder auf, bis sie schließ­lich dauerhaft besteht. Manchmal beginnt sie mit Schmerzen und Steifigkeit in der Schulterregion und ähnelt dabei einer Krankheit namens Polymyalgia rheumatica. Die Krankheit schreitet auf ganz unterschiedliche Weise fort. Einige Menschen sind nur leicht erkrankt, haben wenige Probleme und kön­nen ein normales Leben führen. Bei anderen verschwindet die Rheumatoide Arthritis dauerhaft, ohne wieder neu aufzuflammen, oder es wech­seln sich Phasen heftiger Entzün­dungsaktivität mit kurzen, fast beschwerdefreien Phasen ab.

Viele Menschen leiden an chro­nischer Arthritis, d.h. die Krankheit besteht fortwährend, mit zwischen­zeitlich heftigen Schüben. Bei eini­gen Menschen ist sie trotz unter­schiedlicher Therapieversuche dauerhaft schwer ausgeprägt.

Behinderung

Entzündungen und Gelenkschäden führen zu einer Behinderung. Das Ausmaß der Behinderung ist abhängig von der Dauer der Er­krankung und variiert, je nachdem, in welcher Weise die Gelenke betroffen sind. Manche Patienten können nicht einmal mehr alltäg­liche Dinge verrichten. Die Behin­derung hat auch psychische und soziale Folgen. Manche Patienten müssen ihre Arbeit aufgeben.