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Säen und Ernten von Tabak

Tabak wird unter verschiedensten klimatischen Verhältnissen angebaut, da die Pflanze überaus anpassungsfähig ist. Sie verträgt allerdings weder Salzböden noch Staunässe, welche die sauerstoffbedürftigen Wurzeln zum Ersticken bringt. Für ein gutes Gedeihen benötigt die Pflanze hohe Tempe­raturen. In Bezug auf das Wasserbedürfnis reicht der Bogen vom trocken­heitsgewohnten Orienttabak (Jahresniederschlag um 400 Millimeter) bis zum durstigen Zigarrentabak der feuchten Tropen (2 000 Millimeter); die Erntezeit sollte jedoch niederschlagsfrei sein. Verschiedenartig sind auch die Nährstoffansprüche: Orienttabak darf nur mit 5 bis 15 Kilogramm je Hektar Stickstoff gedüngt werden, großblättriger Zigarrentabak benötigt das Zehnfache. Die Voraussetzungen für Tabakanbau sind in mehr als ein­hundert Ländern der Erde erfüllt, 80 Prozent allerdings werden in tropi­schen und subtropischen Gegenden angebaut.

Tabak wächst in der Regel im Fruchtwechsel mit anderen Agrarprodukten, etwa Weizen, Mais, Reis oder Erdnüssen. Permanente Tabakkulturen werden hauptsächlich in der Türkei, in Malawi und Simbabwe betrieben.

Aussaat

Eine Eigenheit der Gattung Nicotiana sind ihre winzigen Samen. Eine Ta­bakstaude produziert bis zu 400 000 Samenkörner, von denen 12 000 ge­rade ein Gramm wiegen. Ihre Größe erfordert eine Anzucht in Saatbeeten: Die Tabaksamen werden mit Sand vermischt und in die Beete »eingegos­sen«, die man zuvor mit Dünger, Insektiziden und Fungiziden präpariert hat. Die Keimung erfolgt nach fünf bis sieben Tagen. Da die Keimlinge sehr empfindlich sind, müssen die Saatbeete in kühleren Regionen mit Plastik- oder Stoffdächern vor nächtlichem Frost geschützt werden. Pro Quadratmeter wachsen rund 500 Setzlinge heran. Nach 60 bis 80 Tagen sind sie 13 bis 18 Zentimeter groß und damit auspflanzbar. Dies erfolgt von Hand oder halbmechanisch mit Setzmaschinen. Der Boden wird zuvor mit Herbiziden (gegen schädliche Pflanzen), Nematoziden (gegen Wür­mer), Insektiziden (gegen Insekten) und Fungiziden (gegen Pilze) be­handelt.

Der Boden muss je nach Beschaffenheit, Vorbereitung und Tabaksorte mehr oder weniger häufig gelockert werden, damit die Wurzeln ausrei­chend mit Sauerstoff versorgt werden. Ebenso entscheidend für den Ertrag ist eine ausreichende Wasserversorgung. Bei den meisten Tabaksorten werden kurz vor oder nach dem Erblühen die Blütenstände abgebro­chen, »Köpfen« genannt. Die Triebe in den Blattachseln, die sogenannten Geizen, werden entfernt, so dass die Tabakblätter dicker und größer werden. Das Entfernen der Blütenstände – das bei Orienttabaken nicht stattfindet – erfolgt von Hand, die Geizen werden vielerorts mit einem Herbizid abgetötet.

Ernte

Die Tabakblätter werden geerntet, sobald sie den gewünschten Farbton er­reicht haben. Erntereife Blätter für Zigaretten sind gelbgrün, die für Zigar­ren tragen einen helleren Grünton. Die Blätter einer Pflanze sind nicht alle gleichzeitig reif für die Ernte, da in der Regel der Reifeprozess von unten nach oben erfolgt. Der Niko­tingehalt der Blätter nimmt mit der Reife zu, dann aber mit der weiteren Reifung bis zur Überreife auch wieder ab. Das Ernten erfordert so ein vier- bis fünfmaliges Pflücken in etwa wöchentlichen Abständen – in Handarbeit.

Mechanisiert wurde die Ta­bakernte nur in den USA und in Kanada. Der erste Schritt erfolgte in den dreißiger Jah­ren mit den Taxi-harvestersy Mähmaschinen, die die Pflücker durch die Pflanzenreihen transportierten. Später wur­den vollautomatische Erntemaschinen entwickelt, die das Blattgut in der gewünschten Höhe von der Pflanze abtrennen und automatisch in Kisten verstauen. Ein großer Teil der US-amerikanischen Tabake wird heute auf diese Weise ge­erntet. Besonders mühsam ist die Orient-Ernte, da die Pflückerinnen und Pflücker sich für jedes Blatt bücken müssen. Geerntet wird in den frühen Morgenstunden, da sich das Blattgut zu dieser Zeit am leichtesten brechen lässt und die Hitze noch erträglich ist. Einfacher ist die Ernte von Burley -und Maryland-Tabaken, die als ganze Pflanze gebrochen werden können.

Nicht alle Blätter einer Pflanze sind von gleicher Qualität, Geschmack und Aroma wachsen von den unteren zu den oberen Lagen. Beim Virgi­nia-Tabak wird zwischen Primings, Lugs, Cutters, Leaf und Tips unter­schieden. Beim Orienttabak geht die Differenzierung noch weiter: von der untersten, Dip genannten Lage über sechs Zwischenlagen zu der obersten, Outch-ustu.

Je nach Standort vergehen zwischen dem Auspflanzen der Setzlinge und der Ernte der letzten Blätter drei bis maximal sechs Monate. Die Hek­tarerträge hängen von Sorte und Anbaubedingungen ab: Bei Orientta­baken sind 900 bis 1 200 Kilogramm möglich, bei Virginia und Burley 2 200 bis 2 800, bei schwerem Zigarrentabak maximal 3 000 Kilogramm. In der Europäischen Gemeinschaft werden zudem die Höchsterträge je Hek­tar per Verordnung festgelegt, die zu überschreiten mit Strafe belegt ist. Die Obergrenze lag in Deutschland 1992 für den Badischen Geudertheimer bei 3 300, für den Badischen Burley E bei 3 300 und für den Virgin D bei 2 700 Kilogramm je Hektar.

Die wenigsten Bauern bringen es allerdings auf derart hohe Erträge. Die Unterschiede von Land zu Land sind enorm: Länder mit einer moder­nen Tabakforschung und einem wirksamen Beratungsservice wie die USA, Deutschland, Simbabwe – dank agrarwissenschaftlicher Konzentration konnte Simbabwe den durchschnittlichen Hektarertrag zwischen 1975 und 1984 bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität um 91 Prozent steigern -, Kanada, Japan und Frankreich erzielen mehr als doppelt so hohe Hektar­erträge wie Länder mit schlechterer Infrastruktur.

Eine Reaktion zu “Säen und Ernten von Tabak”

  1. Das Trocknen der Tabakblätter | Artikelverzeichnis

    […] aufhängen. Auch diese Art der Trocknung erfordert viel Fingerspitzenge­fühl: Der Bauer muss den Tabak im Auge behalten, ihn vor zu starker Son­neneinstrahlung schützen und nötigenfalls aus der […]

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