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Schlafstörungen

Millionen von Menschen liegen Nacht für Nacht wach und warten ver­geblich auf den erholsamen Schlaf. In einer Umfrage, die Personen mitt­leren Alters in der Schweiz erfasste, gab mehr als die Hälfte der Befrag­ten an, zumindest gelegentlich an Schlafstörungen zu leiden. Bei fast jedem zehnten war der Schlaf sogar fast jede Nacht gestört. Diese Zah­len stimmen im großen und ganzen mit Ergebnissen in anderen Ländern überein. Der Schweizer Schlafforscher Alexander Borbely berichtet auch über detaillierte Befunde, die bei fast allen Umfragen auffallen: Schlafstörungen sind bei Frauen häufiger als bei Männern und sie neh­men mit fortschreitendem Alter zu. Städter sind häufiger betroffen als Landbewohner.

Man sollte meinen, ein derart weit verbreitetes und quälendes Phäno­men ließe die Medizin nicht ruhen. Schlafstörungen werden jedoch erst seit wenigen Jahren systematisch erforscht. Oft hat man keine Ahnung, was genau nicht funktioniert, wenn jemand zu viel oder zu wenig schläft, oder wenn das Schlafprofil mit seinen Phasen gestört ist. Man kann die Probleme jedoch in unterschiedliche Formen einteilen, die einzeln, aber auch gemeinsam auftreten können.

– Die vielleicht bekannteste ist die Einschlafstörung. Sie äußert sich im quälenden Wachliegen, das in Extremfällen Stunden dauern kann.

– Eine andere Schlafstörung äußert sich im häufigen Aufwachen. Der Schlaf ist zu oberflächlich. Der Betroffene schläft allerdings immer wieder ein. Diese Form wird auch als Durchschlafstörung oder »zer­hackter Schlaf« bezeichnet.

– Die dritte Störung ist das vorzeitige Erwachen in den Morgenstunden. Der Betroffene wacht schon sehr früh auf und kann nicht mehr ein­schlafen.

Eingebildete Schlaflosigkeit?

Die Dunkelheit und die Ereignislosigkeit der Nacht können offenbar wie eine Zeitlupe wirken. Jedenfalls sind nicht wenige Menschen der festen Überzeugung, sie lägen lange wach und bekämen zu wenig Schlaf

– und bei der genauen Beobachtung im Schlaflabor stellt sich dann her­aus, dass ihr Schlaf durchaus im Rahmen des Normalen liegt. Viele Ver­suchspersonen hatten in diesen Studien offenbar in Wirklichkeit Perio­den leichten Schlafes in ihrer Länge nicht erkannt und Wachperioden falsch eingeschätzt oder schlecht vom Wachsein geträumt. Etwa die Hälfte der Patienten, die die Stanforder Schlafklinik in den USA aufsu­chen, weil sie zu wenig Schlaf zu bekommen glauben, werden dort nach Tests mit der Diagnose »Pseudo-Schlaflosigkeit« entlassen und müssen sich nun von ihren Ansprüchen gegenüber dem Schlaf trennen. Es wäre dennoch verfehlt, von »eingebildeten« Störungen zu sprechen. Gestörter Schlaf ist eine Beschwerde, die – ähnlich dem Schmerzgefühl

– auf der eigenen Erfahrung beruht. »Es ist deshalb sinnlos«, meint etwa der Leiter des Labors für experimentelle und klinische Schlafuntersu­chung an der Universität Zürich, Prof. Alexander Borbely, »Erfah­rungstatsachen aufgrund objektiver Messgrößen in Frage zu stellen«. Entscheidend ist die eigene Wahrnehmung der Schlafqualität und das erholte, ausgeruhte Gefühl am nächsten Tag.

Wenn man sich am Tag ausgeruht und leistungsfähig fühlt, dann liegen keine ernsten Schlafstörungen vor. Das Schlafbedürfnis der Menschen ist sehr unterschiedlich. Oft suggeriert die Umwelt – manchmal sogar ein Arzt – einem Kurzschläfer, er leide an Schlafstörungen. Oder ein älterer Mensch vergleicht seinen kürzeren, leichteren und »löchrige­ren« Schlaf mit dem seiner Jugendjahre und hält ihn, den »neuen«, der für das Alter durchaus normal ist, für krankhaft. Gerade bei älteren Menschen ist dann der Trugschluss: Schlafstörungen – Rezept für Schlafmittel besonders häufig. Die Folge sind allzu oft »echte« Schlaf­störungen.

Es hängt also auch wesentlich von der eigenen Schlaferwartung ab, ob man eine Nachtruhe als gestört empfindet oder nicht. Nach einer ange­nehm durchfeierten Nacht mit nur wenigen Stunden Schlaf kann man den Tag durchaus noch genießen. Anders sieht das nach mehrstündigem Warten auf das Einschlafen mit Hin- und Her wälzen aus – der Betrof­fene wird zerschlagen, müde, lustlos und deprimiert sein. In beiden Fäl­len kann die geschlafene Stundenzahl gleich sein – das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, entscheidet. Das sollte auch berücksichtigt werden -z.B. dadurch, dass man – wenn nötig – versucht, die eigenen Ansprüche gegenüber dem Schlaf etwas zurückzuschrauben.

Schlafwandel

Der Schlafwandel mit ausgestreckten Armen und geschlossenen Augen auf dem Dachfirst gehört zum festen Bestandteil von Witzzeichnungen. Das Schlafwandeln ist von vielen Mythen umrankt. Bei kurzen Episo­den setzt sich der/die Schläfer(in) kurz im Bett auf und murmelt mehr oder weniger Verständliches. Manchmal geht der Betroffene jedoch auch umher.

Meist sind derartige »Störungen« völlig harmlos. Sie treten bei Kindern häufiger auf und verschwinden fast immer mit der Pubertät. Bei dramatischen Formen liegt oft eine Art Hysterie vor: Man wacht auf, unternimmt jedoch aufgrund unbewusster Mechanismen eigenar­tige Handlungen gleichsam »schlafwandlerisch«.

Schlafanfälle (Narkolepsie)

Die Narkolepsie ist eine schwerwiegendere, allerdings auch sehr viel seltenere Form von Schlafstörungen. Die auffälligste Störung besteht in einem unwiderstehlichen Schlafbedürfnis, das mehrmals am Tag auftre­ten kann. Eine solche Schlafattacke dauert nur zehn bis fünfzehn Minu­ten. Daneben kommt es sehr häufig vor, dass bei starken Emotionen die Muskelspannung völlig nachlässt. Der Nachtschlaf ist fast immer schwer gestört. Die Ursachen dieser Erkrankung, die etwa bei einem von 1000 Menschen auftritt, ist nicht bekannt. Die Betroffenen sind vor allem durch die Schlafattacken in ihren sozialen Aktivitäten oft sehr behindert. Die Behandlung ist meist schwierig und führt bestenfalls zu Teiler­folgen.

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