Vorsicht bei chro­nischer Hepatitis!

 

Von einer chronischen Hepatitis spricht man, wenn die Krankheit mehr als sechs Monate dauert. Sie kann verschiedene Ursachen haben; häufig ist Alkohol schuld, oft entwickelt sie sich aber auch aus einer Hepatitis-Infektion. Hier ist Vorsicht geboten, denn am Ende einer chronischen Hepatitis kann die Leberzirrhose stehen.

Obwohl unterschiedliche Erreger für die Virus-Hepatitis verantwortlich sind, ist das Krankheitsbild der drei For­men doch relativ ähnlich. Normalerweise durchläuft der Patient bei einer aku­ten Hepatitis zwei Stadien. Im ersten Stadium bemerkt er noch gar nicht, dass er an einer Leberentzündung er­krankt ist. In dieser Zeit fühlt man sich nur körperlich schwach, und die Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Dann folgen Beschwerden, wie sie auch bei einer Grippe auftreten, zum Beispiel allgemeines Unwohl­sein, Fieber und Kopfschmerzen. Es können sich Sym­ptome entwickeln, die an eine Darminfektion erinnern: Übelkeit, Appetitlosigkeit und Durchfälle. Häufig treten auch Schmerzen in Gelenken und Muskeln auf.

Dieser Beschwerdekomplex datiert etwa eine Woche, ehe dann die eigentliche Lebererkrankung deut­lich wird. Jetzt tritt eine Gelbsucht (Ikterus) auf, und der Arzt kann die Erkrankung durch Bluttests diagnosti­zieren und feststellen, um welche Form der Hepatitis es sich handelt.

Meist ist eine Hepatitis gutartig

Die akute Leberentzündung ist ein natürlicher Vorgang, mit dem der Körper sich der eingedrungenen Viren ent­ledigt. Freilich gehen dabei Leberzellen zugrunde, aber die Wiederbildungsrate von Leberzellen ist so hoch, dass dies insgesamt nicht gefährlich ist. Nur in Ausnahme­fällen kann der Entzündungsvorgang so überschießend verlaufen, dass er bedrohlich wird. Diese glücklicher­weise seltenen Krankheitsverläufe bezeichnet man als fulminante Hepatitis. Da der betreuende Arzt um diese Möglichkeit weiß, wird er durch regelmäßige Kontrolle der Blutwerte versuchen, die Entwicklung dieser Kom­plikation frühzeitig zu erkennen. Durch intensive Be­handlungsmaßnahmen kann ein lebensgefährlicher Krankheitsverlauf dann in der Regel verhindert werden. Heutzutage verlaufen akute Leberentzündungen in den zivilisierten Ländern nur in Ausnahmefällen tödlich.

Eine akute Hepatitis kann chronisch werden!

Eine zweite Gefahr besteht darin, dass die Hepatitis sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln kann. Von einer chronischen Hepatitis spricht man, wenn die Ent­zündung länger als 6 bis 13 Monate besteht. Es gibt verschiedene Formen der chronischen Hepa­titis. Einmal kann sie durch eine weiterschwelende Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus oder dem Hepatitis- C-Virus oder einem noch unbekannten Hepatitis-Virus entstehen. Durch die akute Leberentzündung befreit unser Organismus sich ja von den eingedrungenen Krankheitserregern. An diesem Vorgang ist das körper­eigene Abwehrsystem beteiligt. Die Hauptrolle spielen dabei besondere Unterformen der Lymphozyten (wei­ßen Blutkörperchen). Man nimmt an, dass das Hepatitis- B-Virus zwar die Leberzelle infizieren kann, dass diese aber durch die Infektion keineswegs tödlich getroffen wird. Die Leberzelle vermag durchaus zusammen mit dem Virus zu leben. Das Virus hat damit einen idealen Wirt gefunden, kann sich weiter vermehren, immer wie­der neue Leberzellen befallen und über den Infektions­weg auch auf andere Personen übergehen.

Gegen eine solche ungehemmte Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus wehrt sich der Wirtsorganismus nun dadurch, dass die Lymphozyten versuchen, alle Leberzel­len abzutöten, in denen sich das Virus ausgebreitet hat. Damit wird auch dem Virus der Lebensraum genom­men, und es stirbt ab.

Bei geschwächter Immunabwehr droht ein chronischer Krankheitsverlauf

Vollbringen die Lymphozyten diese Aufgabe erfolgreich, so erkrankt der Organismus zwar an einer Hepatitis, entledigt sich aber damit der Infektion. Das ist das Krankheitsbild der akuten Virus-Hepatitis, die nach einigen Wochen abheilt. Sind die Lymphozyten jedoch nicht kräftig genug, um diesen Virusbefall zu beherr­schen, so resultiert daraus ein mehr oder minder starkes Gleichgewicht zwischen Virusinfektion und immunolo­gischer Abwehr. Ist die Abwehr schwach, so wird der Entzündungsprozess gering sein, und nur wenige Leber­zellen werden zugrunde gehen. Eine solche Entzündung kann über Jahre bestehen, ohne dass die Leber ernsthaft geschädigt wird. Diese Form der Hepatitis wird auch als chronisch-persistierende Hepatitis bezeichnet. Der Patient lebt in diesem Fall mit dem Virus, ohne ernste­ren Schaden zu erleiden.

Es kann aber auch sein, dass die Immunantwort des Organismus auf die Hepatitis-Infektion etwas stärker abläuft, als es bei einer chronisch-persistierenden Hepa­titis der Fall ist, aber eben doch nicht so stark wie bei einer akuten Infektion. Da die Körperabwehr in diesen

Fällen etwas stärker ist, gehen auch mehr mit Hepatitis­infizierte Leberzellen zugrunde. Oft durchsetzt sich in solchen Fällen die Leber vermehrt mit Bindegewebe, um die abgestorbenen Leberzellen zu ersetzen. Dann spricht man von einer chronisch-aktiven Hepatitis. Hier ist drin­gend medikamentöse Behandlung erforderlich, denn am Ende eines solchen Prozesses kann die Leberzirrhose stehen, wenn die chronische Hepatitis nicht erkannt und behandelt wird. Chronische Verläufe sind vornehm­lich bei Hepatitis B und C bekannt.

Andere Formen der chronischen Hepatitis

Finden sich bei einer chronischen Hepatitis keine An­zeichen dafür, dass eine Hepatitis B oder C oder Nicht-A- nicht-B-nicht-C zugrunde liegt, so müssen andere Ursa­chen in Betracht gezogen werden. Es gibt aber auch Fälle, in denen das Immunsystem des Patienten so verändert ist, dass es das körpereigene Lebergewebe zerstört. Aus bisher noch nicht erklär­baren Gründen spielt sich hier ein Prozess ab, der einer Abstoßungsreaktion bei Organverpflanzungen ver­gleichbar ist. Auch bei einer solchen krankhaften Über­reaktion des Immunsystems kann sich die Leber ver­stärkt mit Bindegewebe durchsetzen, was letzten Endes zur Leberschrumpfung (Zirrhose) führt.

Weiterhin gibt es auch noch die durch Medikamente ausgelöste chronische Hepatitis. An sie muss gedacht werden, wenn weder Zeichen einer Hepatitis-Infektion noch Anzeichen einer Überreaktion des Körpers gegen eigenes Lebergewebe vorliegen. Die Diagnose ist allerdings nicht immer leicht. Ent­scheidend sind vor allem die Angaben des Erkrankten zu Medikamenten, die er eingenommen hat. Meistens geht diese Leberschädigung zurück, wenn er das ent­sprechende Medikament nicht mehr einnimmt.

Die Symptome sind bei allen Formen ähnlich

So unterschiedlich die Ursachen einer chronischen Hepatitis sein mögen, so einheitlich ist im allgemeinen das klinische Bild. Der Erkrankte fühlt sich häufig müde und nicht mehr leistungsfähig; gelegentlich tritt eine leichte Gelbsucht auf. Irgendwelche darüber hinaus­gehende Beschwerden bestehen nicht. Schmerzen in der Lebergegend treten bei der chronischen Hepatitis selten auf. Deshalb ist es wichtig, die obengenannten Symptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn man sie verspürt.

Die alkoholische Hepatitis

Alkohol ist eine Ursache chronischer Leberentzündun­gen mit oft tödlichem Ausgang. Das klinische Krank­heitsbild der Alkohol-Hepatitis unterscheidet sich meist kaum von dem einer Virusinfektion. Das Tückische dabei ist: Alkohol wirkt schon in einer täglichen Menge schädlich, die weder betrunken noch süchtig machen muss. Viele Menschen nehmen regelmäßig Alkohol in Mengen zu sich, die für die Leber bereits kritisch sind, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Die Leber baut Alkohol vorrangig ab. Dabei vernach­lässigt sie andere, ebenfalls wichtige Aufgaben – vor allem die Rolle, die sie im Fettstoffwechsel spielt. Sie speichert nämlich während dieser Zeit das ihr angebo­tene Fett in ihren eigenen Zellen, um es irgendwann später zu verwenden, wenn ihr kein weiterer Alkohol zugeführt wird. Die Folge ist eine Fettleber. Verzichtet der Patient nun für längere Zeit auf Alkohol, so bilden sich die Fetteinlagerungen in der Leber zurück. Hält er sich dagegen nicht an das Alkoholverbot, so wird er zwangsläufig irgendwann an einer alkoholischen Hepa­titis und an der gefährlichen Leberzirrhose erkranken.

Was tun bei chro­nischer Hepatitis?

Eine Hepatitis der Erreger B  und C, fraglich auch G kann chronisch werden. Auch hoher Alkoholkonsum, Medikamente und Störungen des Immun­systems können zu chronischen Leberentzün­dungen führen.

Die Behandlung einer chronischen Hepatitis hängt von den Ursachen ab. Ist sie auf eine Überreaktion des Immunsystems zurückzuführen, so dass körpereigenes Lebergewebe zerstört wird, muss das Immunsystem mit­tels kortisonähnlicher Substanzen beruhigt werden, um den chronischen Entzündungszustand zum Abklingen zu bringen. Sonst droht eine Leberzirrhose.

Bei chronischer Virushepatitis dürfen keine Korti­sonpräparate eingenommen werden, hier helfen oft kör­pereigene Botenstoffe (Interferon Alpha). Bei chro­nischer Virushepatitis wird vermutet, dass die Betroffe­nen nicht ausreichend eigene Botenstoffe ausschütten, um die Viren zu eliminieren.

Vorsicht Nebenwirkungen!

Leider kann es bei der Einnahme von Kortisonpräpara­ten auch zu unerwünschten Nebenwirkungen kom­men: etwa zu Blutzuckererhöhung, Neigung zu ver­mehrtem Fettansatz und bei zu hoher Dosierung sogar Knochenentkalkung. Doch unter der Kortisonbehand­lung geht die Gelbsucht zum Glück oft relativ rasch zurück. Dann kann von der anfänglich gewählten höhe­ren Dosierung rasch auf eine nebenwirkungsfreie Dosis zurückgegangen werden. Diese muss der Patient dann aber über einen langen Zeitraum, wenn nicht für Jahre, einnehmen.

Bei einigen Patienten wird aufgrund von Nebenwir­kungen die Einnahme von Kortisonderivaten kritisch. Hier besteht die Möglichkeit, mit geringeren Kortison­dosen auszukommen, indem zusätzlich immunsuppressiv (das heißt abwehrunterdrückend) wirkende Medika­mente gegeben werden.

Manche Patienten tragen das Hepatitis-B-oder C-Virus ein Leben Sang in sich!

Vermutlich ist 1 % unserer Bevölkerung einmal mit dem Hepatitis-B-oder-C-Virus in Kontakt gekommen, ohne es völlig aus dem Körper zu entfernen. Häufig ist der Kon­takt mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus nicht mit einer bemerkten Erkrankung einhergegangen, und es wurde nur zufällig entdeckt, dass der Betreffende Virusträger ist. Insgesamt fühlen diese Patienten sich nicht krank. Sie sind völlig leistungsfähig und brauchen auch keine Bedenken zu haben, dass ihre Leber irgendwann dauer­haft geschädigt wird.

Berechtigte Sorgen aber werden diese Personen haben, dass sie die Erkrankung auf Familienmitglieder übertragen können. Sie sollten sich damit an ihren be­handelnden Arzt wenden. Dieser wird raten können, wie sich ein Hepatitis-B-Virusträger davor schützen kann, dass er den Krankheitserreger weiter überträgt (zum Beispiel durch „safer sex“). Häufig wird eine aktive Imp­fung sinnvoll sein, wenn Intimpartner und enge Fami­lienangehörige noch keinen Immunschutz gegen Hepa­titis B haben. Bei der Hepatitis C gibt es keine verbindlichen Emp­fehlungen, da ein hohes Übertragungsrisiko durch Intimkontakt noch nicht bekannt ist.