Wenn die Leber zu schrumpfen beginnt

 

Die Schrumpfleber (Leber­zirrhose) ist das Endstadium sehr verschiedener Leber- und Gallenerkran­kungen. Sie kann bisher nur aufgehalten, aber nicht geheilt werden. Um so wichtiger ist rechtzeitige Entdeckung. Das Krankheitsbild kennt man schon lange: Die Leber schrumpft und ist mit Bindegewebe durchsetzt. Leber­zellen gehen zugrunde, und der Körper versucht, das durch knotige Zellwucherungen (Regeneratknoten) auszugleichen. Leberspiegelungen zeigen das Organ nicht mehr glatt und glänzend, sondern grob gehöckert.

Woran erkennt man eine Leberzirrhose?

Bei der Leberzirrhose gibt es zunächst keine typischen Symptome, die der Patient selbst bemerkt. Ein geflügel­tes Wort unter Medizinern lautet: „Die Leber leidet stumm“ – und das oft über Jahre hinweg. Im Früh­stadium stellt der Arzt bei einer körperlichen Unter­suchung meist durch Zufall fest, dass die Leber vergrö­ßert und verhärtet ist. Die Diagnose sichern kann er aber nur durch Blut­untersuchungen und eine Leber Spiegelung. Punktionen können zwar ergeben, dass eine Zirrhose vorliegt, erlau­ben aber keine Aussage darüber, wie weit sie fort­geschritten ist.

Erst im fortgeschrittenen Stadium der Zirrhose tre­ten mit Sicherheit einige der folgenden Anzeichen für eine chronisch kranke Leber auf:

♦     Oberbauchbeschwerden, Verdauungsstörungen,

♦    Müdigkeit,

♦    ein allmählicher Muskelschwund,

♦    bei Männern ein deutlicher Rückgang der Körperbehaarung,

♦     „Lebersternchen“ (sternförmige Hautflecken),

♦     „Geldscheinhaut“ (raue und dünne Haut),

♦     eine fleckige Rötung der Handinnenflächen,

♦    Fingernägel, aus denen die weißen „Möndchen“ ver­schwinden,

♦     eine glatte, rote „Erdbeerzunge“,

♦    knallrote, glänzende „Lacklippen“,

♦    Blut im Taschentuch nach dem Schneuzen.

An diesen Merkmalen zeigen sich die Auswirkungen der Zirrhose auf den ganzen Organismus: die nachlas­sende Blutgerinnung, Blutstauungen in verschiedenen Organen und ein schlechter Stoffwechsel.

Zirrhose kann verschiedene Ursachen haben

Es gibt viele angeborene und erworbene Ursachen für eine Leberzirrhose. Die Zirrhose ist in erster Linie eine durch Hepatitis-Viren bedingte Erkrankung und auch eine Erkrankung durch bisher ungeklärte innere Absto­ßungsvorgänge. Eine weitere Ursache ist ein übermäßi­ger Alkoholkonsum. Störungen im Kupfer-, Eisen- und Kohlenhydratstoff- wechsel können ebenfalls zur Leberzirrhose führen. Besonders aus bestimmten Formen der Hepatitis kann sich eine Zirrhose entwickeln; hiervon wird später noch die Rede sein. Herzkrankheiten sind manchmal die Ursache für Blutstauungen in der Leber, die zu einer Leberfibrose (Durchsetzung der Leber mit Bindegewebe) führen. Wenn diese nicht behandelt wird, entwickelt sich eben­falls eine Zirrhose daraus.

Wie sinnvoll ist eine Diät bei Lebererkrankungen?

 

Bis vor einiger Zeit hielt die Wissenschaft Diäten beiLeberleiden für sehr wichtig und stellte strenge Diätpläne auf. Inzwischen weiß man, dass das übertrieben ist. Dennoch ist es sinnvoll, ein paar allgemeine Ernährungsregeln zu beachten. Früher gab es strikte Diätvorschriften für Leberkranke, die dem Patienten oft nur einen geringen Spielraum lie­ßen. Mit zunehmender wissenschaftlicher Erkenntnis hat sich aber gezeigt, dass dies den Gesundungsprozess nicht fördert. Es hat sich auch nicht bestätigt, dass bestimmte Nahrungsbestandteile die Leber schädigen können. So entbehrt zum Beispiel die allgemeine Auffas­sung, Fett sei für die erkrankte Leber nicht zuträglich, jeder Grundlage. Deshalb sagt man heute, dass der Leberkranke entsprechend seinen persönlichen Ver­träglichkeiten seine Essgewohnheiten beibehalten kann.

Lebenswichtig: genügend hochwertiges Eiweiß

Ein paar grundsätzliche Überlegungen sollte man bei der Zusammenstellung seiner Nahrung aber doch berücksichtigen.

Jeder Organismus braucht zur Aufrechterhaltung sei­ner Eiweißbilanz eine tägliche Eiweißzufuhr von 1 g/kg Körpergewicht. Diese Menge sollte durch hochwertiges Eiweiß gedeckt werden. So ist beispielsweise Milch­eiweiß hochwertig und für den Körper gut aufschlüs­selbar. Es ist also nicht notwendig, dass der Kranke sei­nen Eiweißbedarf nur durch den Genuss von Fleisch deckt, sondern es reicht völlig aus, wenn er täglich eine bestimmte Menge Milcheiweiß – zum Beispiel in Form von Quark – zu sich nimmt. Allerdings sollte es nicht so weit kommen, dass die Quarkmahlzeit zu einer Zwangs­handlung wird und der Kranke sich zu einem Quark­neurotiker erzieht.

In manchen Verbotslisten sind Nahrungsmittel ent­halten, die zur vermehrten Darmblähung führen kön­nen. Es gibt sicher viele Patienten mit Lebererkrankun­gen, bei denen diese Speisen Beschwerden auslösen. Amerikanische Wissenschaftler haben aber festgestellt, dass auch bei Erkrankungen anderer Art viele Patienten solche Speisen nicht vertragen. Wer sich genau kennt, der weiß, welche Nahrungsmittel ihm Beschwerden bereiten und welche nicht, und kann dementsprechend auswählen, was er persönlich verträgt. Eine schädi­gende Wirkung auf die Leber ist von solchen „blähen­den“ Nahrungsmitteln jedenfalls nicht zu erwarten.

Ernährungsempfehlungen bei Hepatitis und Leberzirrhose

Allerdings gibt es zwei Ausnahmefälle, in denen doch eine Diät angezeigt ist. Zu Beginn einer Hepatitis leidet der Patient häufig unter Übelkeit und hat keinen Appe­tit. Dann sollte er sich auch nicht zum Essen zwingen; allerdings ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, am besten in Form von leicht gesüßtem Tee und Mineralwasser. Kehrt der Appetit wieder, so darf der Patient essen, was er möchte und verträgt.

Die zweite Ausnahme ist die Leberzirrhose mit Nei­gung zu Enzephalopathie und Bauchwassersucht. Hier sind spezielle Diätvorschriften zu beachten, auf die im folgenden näher eingegangen werden soll.

Wie behandelt man Fettleber und Leberzirrhose?

Wenn man sie rechtzeitig er­kennt und richtig behandelt, bildet die Fettleber sich rasch zurück. Eine alkoholbedingte Fettleber aller­dings entwickelt sich früher oder später zur Zirrhose, wenn der Patient nicht konsequent auf Alkohol verzichtet.

Die Fettleber selbst lässt sich medikamentös nicht be­handeln. Deshalb zielt die Therapie auf die Beseitigung der Ursachen. Bei toxisch (das heißt durch Alkohol und Überernährung) bedingter Fettleber bilden sich die Fetteinlagerungen nach Weglassen des Giftes rasch zu­rück und hinterlassen keine dauerhaften Schäden an der Leber.

Am wichtigsten ist absoluter Verzicht auf Alkohol

Setzt der Patient seinen übermäßigen Alkoholkonsum jedoch fort, so kommt es zur Ausbildung einer Leber­zirrhose, bei der Leberzellen absterben und die Leber sich vermehrt mit Bindegewebe durchsetzt. Der Körper versucht, die normalen Leberzellen durch Bildung von knotenförmigen Zellwucherungen (Regeneratknoten) auszugleichen. Bei der Leberspiegelung lässt sich das erkennen: Das Organ sieht dann nicht mehr glatt und glänzend aus, wie unter normalen Bedingungen, son­dern ist fein oder grob gehöckert mit dazwischen­liegenden, eingezogenen Bindegewebszonen. Dieser krankhafte Zustand lässt sich nicht wieder rückgängig machen.

Deshalb ist auch die Behandlung der Leberzirrhose auf die Ursachen gerichtet: Man versucht, zu verhin­dern, dass die Zirrhose weiter fortschreitet. Ist sie durch Alkohol entstanden, so darf der Patient künftig keinen Tropfen mehr trinken; dann kommt die Erkrankung aber relativ rasch zum Stillstand, und die Lebenserwar­tung des Patienten entspricht in etwa derjenigen ande­ren Menschen.

Die Behandlung der Zirrhose zielt stets auf die Ursachen

Hat sich eine Leberzirrhose aufgrund einer Störung im Kupfer- oder Eisenstoffwechsel gebildet (Wilsonsche Er­krankung beziehungsweise Hämochromatose), so müs­sen Maßnahmen ergriffen werden, diese übermäßig im Körper abgelagerten Stoffe zu entfernen und Nahrungs­mittel mit hohem Gehalt an diesen Mineralien zu mei­den. Es können Medikamente gegeben werden, die eine vermehrte Ausscheidung entweder von Kupfer oder Eisen bewirken. Bei der Eisenspeicherkrankheit (Hämo­chromatose) werden jedoch bevorzugt häufige Ader­lässe (Blutentnahmen aus einer Vene) durchgeführt. Mit dieser Behandlung lassen sich durchaus befriedigende Erfolge erzielen.

Ist die Zirrhose durch eine Erkrankung der Gallen­blase oder -wege entstanden (der Arzt spricht in sol­chen Fällen von biliärer Zirrhose), so muss diese ursäch­liche Erkrankung behandelt werden, um das Fortschrei­ten der Zirrhose aufzuhalten – häufig durch Operation. Davon wird auf den nächsten Seiten, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen des Gallensystems geht, noch die Rede sein.