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Wie entstehen Pilzerkrankungen?

Pilze kommen überall vor; doch dies ist kein Grund zur Panik: Nur ganz bestimmte Pilzarten können Krankheiten verursachen, und dabei spielen die Abwehrkräfte des Körpers eine wichtige Rolle, die Ernährung – und nicht zuletzt die Frage, ob die Pilze eine Umgebung finden, in der sie sich stark vermehren können. Hier erfahren Sie mehr über schädliche Pilze, das Immunsystem, mögliche Ansteckungs­wege und die Entstehung der verbreiteten Fuß- und Nagelpilz-Krankheiten.

Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Unsere Umwelt enthält eine große Zahl von feindlichen Mikroorganis­men. Pilze, aber auch Viren, Bakte­rien und Parasiten warten nur dar­auf, in den menschlichen Organis­mus einzudringen und ihn zu infizieren. Dass wir dennoch relativ selten erkranken, haben wir unserem Immunsystem zu verdanken, das seine Feinde normaler­weise wirkungsvoll bekämpft. Die Haut bildet dabei eine recht wirksame Schutzbarriere mit dem keimtöten­den Sekret ihrer Talgdrüsen.

Doch die vielen Körperöffnungen sind Schwachstel­len des Organismus: Schädliche Fremdkörper, Antigene genannt, können über Mund, Nase, Geschlechtsöffnun­gen oder Hautverletzungen eindringen und Krankheiten auslösen. Ein Teil dieser Antigene wird durch Speichel, Schweiß, Tränenflüssigkeit oder die Flimmerhärchen der Schleimhäute gleich wieder aus dem Körper befördert oder durch chemische Inhaltsstoffe der Magensäfte ab­getötet.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Es ist Aufgabe des Immunsystems, die trotz der Schutz­barrieren in den Organismus gelangten feindlichen Zel­len unschädlich zu machen. Die weißen Blutkörperchen als seine „Gesundheitspolizei” setzen sich größtenteils zusammen aus Lymphozyten und Fresszellen (Phago­zyten). Meist kreisen sie in Blut und Lymphsystem und können so schnell feindliche Mikroorganismen auf- spüren, die sie an ihrer körperfremden Zellstruktur er­kennen.

Verschiedene Typen von Fresszellen (zum Beispiel Makrophagen oder Killerzellen) schlucken wahllos ei­nen Großteil der Antigene. Diese angeborene Immunität reicht bei Masseninvasionen etwa einer Pilzkolonie je­doch nicht aus, so dass jetzt auch noch die Lymphozyten durch die Großproduktion von speziellen Eiweißkörpern eingreifen müssen.

Diese Antikörper werden exakt auf die Oberfläche der Eindringlinge zugeschnitten, so dass sie wie der Schlüssel ins Schloss auf die feindlichen Zellen passen und sie auf diese Weise neutralisieren. Das geht jedoch nicht sofort: Ein bis zwei Tage dauert es schon, bis der passende Antikörper-Prototyp herge­stellt ist und mit der Großproduktion begonnen werden kann. Diese kann etwas schneller anlaufen, wenn einer der verschiedenen im Blut kreisenden Antikörper zufäl­lig schon zur Feindzelle passt.

Nach ein bis zwei Wochen sind alle Erreger von Anti­körpern gebunden und anschließend von den Fresszellen verschluckt, so dass jetzt die Antikörperproduktion einge­stellt werden kann – die Infektion ist bekämpft, die Sym­ptome klingen ab.

Wie „erinnert” sich der Körper an überstandene Krankheiten?

Einige der gebildeten Antikörper verbleiben auch nach der Infektion im Blut, so dass sie bei einer erneuten Inva­sion der gleichen feindlichen Zellen sofort eingreifen können. Außerdem merken sich spezielle Gedächtnis­zellen die Struktur dieses erfolgreich bekämpften Anti­gens, so dass passende Antikörper in größerem Umfang blitzschnell produziert werden können. Man sagt, der Körper sei sensibilisiert oder immunisiert.

Auf diesem Prinzip der Sensibilisierung beruht auch die Impfung: Mit Krankheitserregern in abgeschwächter Form wird eine harmlose Infektion inszeniert, die den Körper zur Herstellung von Antikörpern und Gedächt­niszellen anregt. So kann er im Fall einer echten Infek­tion sofort losschlagen.

Warum werden Pilzinfektionen durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt?

Pilzkeime sind überall, doch ist ein gesundes Immun System in der Lage, sie wirksam zu bekämpfen. Eindrin­gende Schmarotzer bieten ihm im Gegenteil einen Anreiz zur Antikörperbildung, so dass der gesunde Orga­nismus im Laufe des Lebens immer resistenter gegen Pilze wird. Meist bleiben die Keime gar nicht im Orga­nismus haften, sondern werden schnell auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Damit das auch reibungs­los geschieht, sind in der Darmschleimhaut besonders viele Antikörper „postiert”.

Pilze im Körper – Krank ohne Grund?: Pilzinfektionen erkennen und heilen, durch gesunde Ernährung vorbeugen: Krank ohne Grund? Pilzinfektionen … Rezepte für die Heildiät gegen Pilze

Anders sieht es jedoch aus, wenn die Abwehrkraft des Körpers geschwächt ist. Dann werden zu wenig oder gar keine Antikörper mehr hergestellt. Die Folgen sind dra­matisch: Die Pilze können sich jetzt im Organismus fest­setzen und hemmungslos zu großen Populationen her­anwachsen.

Als besonders gefährlich und aggressiv entpuppt sich dabei Candida albicans, der häufigste Hefepilz: Er bleibt unter diesen Bedingungen nämlich nicht mehr an der Oberfläche des befallenen Organs, sondern dringt mit seinen Ausläufern in tiefere Gewebsschichten vor und durchwächst sie regelrecht. Seine giftigen Stoffwechselprodukte, die Mykotoxine, können jetzt in den gesamten Organismus gelangen und überall Krankheitserscheinungen hervorrufen: Aus der relativ harmlosen Hautmykose ist so eine gefährliche sy­stemische Infektion geworden.

Bei extrem abwehrschwachen, schwerkranken Patien­ten gelingt es außerdem einzelnen Pilzsporen oder sogar lebenden Candida-Zellen, durch die Darmschleimhaut hindurch in die Blutbahn zu gelangen, so dass sie auf diesem Wege jedes Körperorgan erreichen und dort neue Pilzkolonien gründen können.

Warum sind Neugeborene besonders anfällig für Pilzerkrankungen?

Die Immunschwäche ist in seltenen Fällen angeboren; ganz normal aber ist sie bei jedem Neugeborenen. Sein Immunsystem entwickelt sich erst im Laufe der ersten drei bis vier Lebensmonate. Es ist daher in hohem Maße auf die Muttermilch angewiesen, über die es lebens­wichtige Antikörper auch gegen Pilze erhält, bevor es sie selber bilden kann. Flaschenkinder sind demnach be­sonders gefährdet, an Pilzinfektionen zu erkranken.

Wodurch wird das Immunsystem geschwächt?

Doch auch der Erwachsene kann sich leicht Pilze ein­fangen, wenn die Körperabwehr geschwächt ist durch Krebs und chronische Krankheiten wie Diabetes und vor allem AIDS (Erworbenes Immunschwächesyndrom). Schwere Unfälle oder Operationen mindern ebenso die Resistenz gegen die Schmarotzer. Auch wer ständig im Stress lebt, sich keine Ruhe und Entspannung gönnt und womöglich noch dauernd zu wenig schläft, tut den Pil­zen etwas Gutes. Dass zudem eine labile Psyche die Ab­wehrkraft schwächen kann, weiß jeder, der bei Kummer und Sorgen ständig zum Beispiel mit grippalen Infekten zu kämpfen hat. Erhält der Körper nicht alle lebensnot­wendigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, sei es durch falsche Ernährung oder durch Umweltgifte, kann das ebenfalls zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen.

Darüber hinaus kann eine schwere Erkrankung den Einsatz von Medikamenten notwendig machen, die das Immunsystem in seiner Funktion dämpfen. Kortison und seine Verwandten sind für ihre entzündungshemmende Funktion zum Beispiel bei Allergien bekannt. Sie verhin­dern jedoch auch gleichzeitig den Kampf des Immun­systems gegen Pilzkeime oder Bakterien.

 

 

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