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Wieso wirkt das Ölziehen?

Wie schon mehrfach erwähnt, gibt es bislang keine ein­deutige wissenschaftliche Erklärung des Phänomens, dass durch einfaches Mundspülen mit Öl auch schwere Gesund­heitsstörungen geheilt, zumindest gelindert werden. Ver­schiedene Erklärungsmöglichkeiten stehen zur Debatte, die zum Teil nicht mit westlichen schulmedizinischen Betrach­tungsweisen konform gehen.

In der in Natur und Medizin veröffentlichten Überset­zung des Berichts von Dr. Karach heißt es, dass »der eigent­liche Grundsatz dieses Heilverfahrens in der einfachen Art und Weise, nämlich im Schlürfen oder Saugen des Öls in der Mundhöhle besteht, und dass der weitere Heilvorgang vom menschlichen Organismus allein vollzogen wird«. Demnach stimuliert das Ölziehen die Selbstheilungskraft des Körpers. Offen bleibt, ob dies durch bestimmte Wirk­stoffe im Sonnenblumenöl, die während des »Kauens« frei­gesetzt beziehungsweise aufgenommen werden, geschieht oder ob es die Kau- und Schlürfbewegungen sind, die den entscheidenden Impuls auslösen, wobei auch den Spei­cheldrüsen Bedeutung zukäme. Immerhin findet im Mund durch den Speichel ein erster Verdauungsprozess statt. Mit Hilfe von Speichelenzymen, wie Amylase, wird im Mund beispielsweise mit der Kohlenhydratspaltung begonnen. Die Fettverdauung jedoch vollzieht sich erst im Darm. Da die Kur zudem auch mit anderen Substanzen als dem Son­nenblumenöl funktioniert – neben dem Spülen mit Aloe Vera gibt es auch Versuche mit destilliertem Wasser -, kann die Heilwirkung nicht in erster Linie durch die Mundver­dauung oder durch Inhaltsstoffe des Öls eintreten, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Durch das Schlürfen und Kauen des Öls werden aller­dings die Speicheldrüsen angeregt. In diesem Zusammen­hang ist eine von Stephen Chang vorgestellte taoistische Gesundheitsübung interessant. Sie trägt den poetischen Namen »Der rote Drache tanzt über dem Ozean, um den Wind, den Regen und die Wolken zu schaffen« und zielt darauf ab, mit Hilfe von Zunge und Speichel Mund und Zähne zu reinigen und das Herz anzuregen. Zu diesem Zweck wird die Zunge wie eine Zahnbürste benutzt und die Zungenspitze wiederholt an Zähnen und Zahnfleisch ent­langgeführt. Diese Zungenbewegungen regen die Speichel­produktion an. Der Speichel wird im Mund gesammelt und nicht heruntergeschluckt. Wenn reichlich Speichel zusam­mengekommen ist, wird er zwischen den Zähnen hin- und hergezogen. Doch im Gegensatz zum Ölspülen wird der auf diese Weise energetisierte Speichel dann langsam herunter­geschluckt. In der chinesischen Medizin wird dem Speichel, dem »himmlischen Tau«, unter anderem wegen seiner anti­bakteriellen Wirkung große Heilkraft zugeschrieben.

Beim Ölziehen wird jedoch etwas von außen in den Mund genommen, dort bearbeitet und dann wieder ausgespuckt. Das legt den Schluss nahe, dass über die Mundschleimhaut, die durch das Schlürfen und Ziehen des Öls angeregt wird, Substanzen ausgeschieden und im Öl gebunden werden. Dr. Veronica Carstens erläutert in Heft 3/93 von Natur und Medizin: »Das Öl hätte demnach zwei zentrale Aufgaben: Einmal den Organismus zur Schadstoffausscheidung an­zuregen und zum anderen, die über die Mundschleimhaut ausgeschiedenen Schadstoffe zu binden.«

Das erinnert an die Entschlackungskuren im Ayurveda. Dort werden im Rahmen der Panchakarma-Kur verschie­dene, zum Teil mit Heilkräutern versetzte Öle und Fette benutzt, um den Körper von Toxinen zu reinigen und zu stärken. Die Öle werden sowohl innerlich als auch äußer­lich angewendet. Bei der innerlichen Anwendung kommt es zu einer Erhöhung des Blutfettspiegels, um dann auf ver­schiedenen Wegen fettlösliche Schlacken aus dem Körper zu entfernen. Bei den Ölmassagen und Ölbädern wird der Stoffwechsel im Gewebe aktiviert, um dann den Körper bei­spielsweise durch Schwitzen Schlackenstoffe über die Haut und Schleimhaut ausscheiden zu lassen. Vor allem Sesamöl dient hier, wie bereits beschrieben, als Mittel, um über die Mundschleimhaut zu entgiften.

In seinem Buch Heilung weist der Arzt Dr. Harald Kinadeter im Zusammenhang mit der Ölzieh-Kur auf die Methode der Mikro-Magnetischen Medizin (MMM) nach Professor Wilhelm Langreder hin. Nach dessen Lehre – oder besser gesagt: Energiemedizin – sind die Zähne voller Schadwel­len, wie überhaupt der Kiefer-/Mundbereich eine potenziel­le Schwachstelle des Körpers ist, da hier schädliche Einflüsse eindringen können. Da die Zähne mit bestimmten Organen in Verbindung stehen (siehe dazu auch die Übersicht auf Seite 67), werden die durch den Mund hereinkommenden Schadwellen in das Körpergewebe geleitet. Beim Ölziehen geschieht demnach der umgekehrte Prozess: Die Schadwel­len strahlen in das Öl ab, wodurch nach und nach alle in­neren Organe und Gewebe gereinigt werden. Gifte werden auf diese Weise herausgezogen, im Öl gebunden und aus­gespuckt. Sie müssen vom Organismus nicht über den Weg der Krankheit ausgeleitet werden.

Sicher wird es in nicht allzu ferner Zeit gelingen, die Vor­gänge eindeutig nachzuvollziehen, die für die Heilerfolge der Ölzieh-Kur verantwortlich sind. Und möglicherweise kann dann auch geklärt werden, warum die Kur bei einigen Menschen mit speziellen Beschwerden so bemerkenswerte positive Veränderungen bewirkt und bei anderen im glei­chen Krankheitsfall gar nicht greift.

Eines scheint jedoch heute schon festzustehen: das Öl­ziehen ist eine Entgiftungskur, die den Organismus in die Lage versetzt, seine Selbstheilungskräfte zum Einsatz zu bringen.

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